Bitte laßt Reinhuld Messner endlich in Ruhe.
Dieter Greiner
Lieber Dieter,
man kann über den Sachverhalt sicherlich trefflich diskutieren und auch geteilter Meinung sein. Dass es sich aber Reinhold Messner selbst zuzuschreiben hat, dass die Sache immer wieder durch die Medien geister(e), ist meiner Ansicht nach unstrittig.
Wobei man ja schon sagen muss, dass sich auch die Medien immer heftigst darauf stürzen, sobald Reinhold Messner irgendwas verlauten lässt.
In der BILD waren sogar Fotos von der Verbrennung Günters zu "bewundern". Auch als nun Heinrich Harrer starb war natürlich wieder allerorts der Kommentar Messner's zu lesen, Harrer habe sich nicht deutlich genug von seiner Nazi-Vergangenheit distanziert (z. B. im "Tagesspiegel").
Immer wenn irgendwo auf der Welt etwas im Zusammenhang mit Bergen passiert, ruft irgendein Journalisten bei Reinhold Messner an, der gibt einen schlauen (?) Kommentar und andere greifen das Gesagte erfreut auf.
Auch Alpin könnte sich mal überlegen, ob man denn alles was Reinhold Messner so sagt immer gleich veröffentlichen muss.
Anke hat geschrieben:
> Lieber Dieter,
>
> man kann über den Sachverhalt sicherlich
> trefflich diskutieren und auch geteilter Meinung
> sein. Dass es sich aber Reinhold Messner selbst
> zuzuschreiben hat, dass die Sache immer wieder
> durch die Medien geister(e), ist meiner Ansicht
> nach unstrittig.
Auf seiner homepage www.reinhold-messner.de erklärte er letzten Herbst das Kapitel für abgeschlossen - und kündigte nichtsdestotrotz einen Kinofilm an. Nun hat er in fast helleseherischer Weise die Einstellung für den krönenden Abspann gefunden: Mledung vom 22.5.2006:
http://focus.msn.de/magazin/magazin/kurzfassungen/meldung/f_aid_21685.html
Ob der geneigte Medienkonsument das ganze besser unter der Rubrik Illuminati/ Da Vinci Code verbuchen sollte?
Jetzt wird es aber fast Makaber.
„ Reinhold Messner bestattet den Kopf des Bruders“
Laut Focusbericht will Reinhold Messner im Spätsommer mit Familienangehörigen und Filmemacher Joseph Vilsmaier die Feuerbestattung vollziehen.
Josef Vilsmaier wird einen Film über die Tragödie der Brüder drehen. Schlusseinstellung des Filmes wird die Verbrennung des Kopfes vor den trauernden Familienmitgliedern sein.
Wie passt das zusammen, wenn er immer behauptet er möchte endlich
in der Sache seine Ruhe haben und dann dieses Medienspektakel?
Reinhold Messner muss sich nicht wundern, wenn er dann angegriffen
und für unglaubwürdig gehalten wird.
Unabhängig davon, wem man in der Sache über die Geschehnisse am Naga Parbat recht geben mag, steht es für mich zweifelsfrei fest, dass Reinhold Messner sehr gerne die (Massen-)Medien nutzt, wenn er sich davon einen Nutzen verspricht. Fernsehen, Radio, Magazine, Filmemacher und Zeitungen sollen, wenn Reinhold wünscht, viel und positiv über ihn und seine Projekte berichten.
Aber wehe die Medien sind zu kritisch oder zweifeln Aussagen von ihm an. Dann fühlt er sich plötzlich im Sinne schlagzeilenhechelnder Meinungsmache missbraucht. Wenn man die Geister fürchtet, sollte man sie nicht rufen.
Reinhold Messner dementiert Meldung des Fakten-Fakten-Fakten Magazins am 23.5.06:
Schädelfund von Bruder Günther frei erfunden
http://www.tirol.com/chronik/suedtirol/37644/index.do
Also warten bis August/September. In der Zwischenzeit kann sich der Interessierte den Diamir-Gletscherkessel z.B. mit Google Earth anschauen. Und versuchen, den Fundort auf 4300m in Einklang zu bringen mit einer willentlichen Abzweigung auf der Plateauhöhe bei 4600 m nach rechts. Andererseits ist bei einer Abzweigung nach links (Reinholds Weg) ein leichter Anstieg zu bewältigen. Anders ausgedrückt, die Fundstelle auf 4300m scheint verträglich zu sein mit jeder Art von passivem Transport die Diamirflanke hinunter.
Ansonsten halte ich es mit Jochen Hemmleb
http://www.alpine-history.com/
"Mich haben Mysterien schon immer fasziniert.
Reale Mysterien, nicht solche aus Sagen oder Kriminalromanen."
Grüße von Wolfgang aus Stuttgart
http://de.360.yahoo.com/mlreader
Ende August will Reinhold mit Familie zum Nanga Parbat, um eine Gedenkfeier zu veranstalten, in deren Rahmen wahrscheinlich die Asche Günthers den Winden des Himalaya übergeben werden wird.
Kann mir gut vorstellen, dass wir das Ganze dann im geplanten Vilsmaier-Film über die Geschichte als Schlusseinstellung präsentiert bekommen werden.
Nanga Parbat revisit: Messner back in Pakistan
11:08 am EST Sep 06, 2006
http://www.mounteverest.net/news.php?id=15000
Zur Einordnung der in Kürze zu erwartenden Flut in den Medien habe ich mir erlaubt, einige unabhängige Hintergrundinformationen zusammenzufassen:
Gegenüberstellung und kritische Interpretation
mehrerer Quellen von Reinhold Messner
zum Abstieg an der Diamirflanke des Nanga Parbat,
29.6. bis 30.6.1970
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Mein Leben am Limit 2005
S. 85
"Inzwischen war Günther in einer Mulde, am Fuße der Wand."
// Dies kann nicht mit Sicherheit gesagt werden,
da Reinhold nicht bei ihm war bzw. keine Sichtverbindung
bestand:
"Dorthin konnte ich nicht zurücksehen."
// Bei der angegebenen Lokation muss es sich um das
weitläufige Plateau bei 4730 m knapp unterhalb der untersten
Mummery-Rippe handeln.
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Die weisse Einsamkeit 2003
S.26
"... im konkaven Gletscherkessel ... Dazu ein paar
Spalten."
// Dieser Spaltengefahr war Günther Messner ebenfalls
ausgesetzt, wenn er Reinholds Route gefolgt ist.
-----------------------------------------------------
Der nackte Berg 2002, 2003
S. 242
"... zurück zum Plateau. Dort glaube ich,
Günther zuletzt gesehen zu haben."
// Diese Formulierung suggestiert,
Günthers letzte Position sei am Plateau.
In [Mein Leben am Limit, S.85 s.o.]
sagt Reinhold Messner selbst:
"Dorthin konnte ich nicht zurücksehen."
Dem Leser erscheint eine Darstellung
"*VON* dort glaube ich, Günther zuletzt gesehen zu haben"
plausibler. D.h. Reinhold hätte Günther
noch irgendwo auf dem Gletscherabhang neben mittlerer
und unterer Mummery-Rippe gesehen.
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Die Freiheit aufzubrechen wohin ich will 1989, 2004
S.169
"Ich stieg langsam bis zum Plateau, wo ich Günther
zuletzt gesehen hatte"
// Die gleiche missverständliche Formulierung
wie in der nackte Berg
Wäre "*VON* wo ich Günther
zuletzt gesehen hatte" die zutreffende Darstellung?
_____________________________________________________________
Bei sorgfältiger Lektüre der Darstellungen
der Gegenseite (Die Überschreitung, Licht und Schatten)
treten auch dort Ungereimtheiten hervor.
Demnach sollte ein Körper in über
30 Jahren viel weiter gletscherabwärts transportiert
worden sein als der Fundort bei ca 4300m Höhe.
In dem flachen Gelände ab 4730 m und unterhalb
ist auch ein sehr langsamer Transport, evtl. gar
Stillstand vorstellbar.
Und die Auffindung der Leichenreste vom Aug 2005 wurde durch
Ausaperung ermöglicht, nicht durch Beförderung
aus einem Gletschertor heraus.
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Laut folgender Quelle hat Reinhold Messner
gerichtlich bezeugt, bis auf eine Höhe von 6.000 m
mit seinem Bruder zusammen gewesen zu
sein:
Presseerklärung des A1 Verlags
vom 20.10.2005 bei
http://www.a1-verlag.de/
"Die zum Teil ganz erheblichen Widersprüche
in den von Reinhold Messner verbreiteten
unterschiedlichsten Versionen zur Trennung
der Brüder am Wandfuß (also auf ca. 4.500 m)
und den Todesumständen von Günther Messner tun
ihr übriges dazu.
Bedenklich stimmt in diesem Zusammenhang
auch die Tatsache, dass Reinhold Messner
im Juni 2003 vor Gericht eidesstattlich
nur noch versicherte, mit seinem Bruder
bis auf eine Höhe von 6.000 m
(also ca. bis auf Höhe des 2. Biwaks)
zusammen gewesen zu sein."
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Ein weiterer Punkt, der merkwürdigerweise noch
von keiner der Parteien geäußert wurde:
Wäre Reinhold das Verschwinden Günthers schon im
oberen Bereich der Diamirwand bewusst gewesen,
hätte sich die Suche über einen ganzen Tag (30.6.1970)
erübrigt und Reinhold wäre diesen Tag früher
am Ende des Diamirtales angekommen.
Zur visualisierung der geographischen
Umstände im unteren Bereich der Diamirwand
- und zur besseren Interpretation von
Fotos der Szenerie -
kann die aktuelle Version von Google Earth
hilfreiche Dienste leisten - wenn auch das
zugrundeliegende Geländemodell oberhalb
des hier nicht interessierenden Geländes
oberhalb von ca 6000 m sehr ungenau ist.
Wolfgang Mühle, 7.9.2006
http://de.360.yahoo.com/mlreader
Und was lieber Wolfgang willst Du uns jetzt damit sagen? Dass alle unrecht haben?
Kurze Frage - kurze Antwort im Fazit ganz unten.
Die Geschichte mit der Eislawine als unmittelbare Ursache des Todes von Günther Messner lässt sich meines Erachtens als Lehrbeispiel für den "Sleeper Effect" heranziehen.
Mittlerweile ist sie bei Wikipedia und anderen Quellen
im Internet praktisch festzementiert.
Obwohl Reinhold Messner selbst die Verschüttung durch eine Eislawine als *eine* Möglichkeit dargestellt hat.
"...the sleeper effect predicts that a message from a low-credibility
source can actually increase in persuasiveness."
http://changingminds.org/explanations/theories/sleeper_effect.htm
siehe auch
http://jamesthornton.com/theory/theory?theory_id=1
http://en.wikipedia.org/wiki/Sleeper_effect
Ausserdem lässt sich hier verdeutlichen, wie ein
Defizit an Wissen durch Glauben kompensiert wird.
Am Beispiel der guterhaltenen "Marmorleiche vom Everest"
gelingt es dem Buchautor Reinhold Messner in "Mallorys
zweiter Tod" *DIE* Antwort auf das Everest-Rätsel zu geben.
Der Leser mag das glauben. Oder Quellenstudium betreiben.
Andrew Irvine war nicht an der von Reinhold Messner
"gesehenen" Lokation und wird vermutlich nie aufgefunden werden,
so wie das Wissen um die letzten Stunden von
George Mallory am Everest und von Günther Messner
in der Diamirflanke unvollständig bleiben wird.
In welchem Licht muss man da die Schlussfolgerungen
Reinhold Messners aus dem Fund der Leichenfragmente
vom Juli 2005 sehen?
Wer im Interview von Johannes B. Kerner im ZDF im Herbst
2005 mit Reinhold Messner die Aussage, aufgrund des
Erhaltungszustandes der Körperteile von Günther Messner
komme ein Spaltensturz nicht in Frage, mit Erstaunen
vernommen hat, mag das hinterfragen.
In ca. 200 m Entfernung wurden die Überreste eines
asiatischen Bergsteigers in ähnlich schlechtem
Erhaltungszustand gefunden.
So zieht man ein Millionenpublikum auf seine Seite.
FAZIT:
Also zum Schluss hier mein Fazit:
Man nehme nicht alles für bare Münze,
was man in der für gutes Geld gekauften
Bergliteratur gelesen hat,
in den Medien präsentiert bekommt
oder gar vom Zeitzeugen in einem
fesselnden Vortrag persönlich gehört hat.
In der andauerndern gerichtlichen Auseinandersetzung
Reinhold Messners mit seinen Kontrahenten möge
Recht bekommen, wer Recht hat.
Wolfgang Mühle 11.09.2006
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