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Ein Traum in den Allgäuer Alpen

18. August 2011
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von: Punkt
Land: Deutschland
Vom Edmund-Probst-Haus zur Kemptner Hütte
Weg vom Rauheck zum Kreuzeck
Weg vom Rauheck zum Kreuzeck
Ein Traum in den Allgäuer Alpen

Das Allgäu, vor allem die Berglandschaft um Oberstdorf, ist mir in Jahrzehnten so etwas wie eine 2. Heimat geworden. Und so ist dort auch so ziemlich alles "abgegrast" – beim Wandern, Klettern und auf MTB-Touren. Ein weißer Fleck war aber noch auf der Karte, der mich schon lange störte: Rauheck, Kreuzeck und die Eis-Seen, zu weit weg von allen üblichen Routen und deshalb immer links (oder rechts) liegengelassen. Anvisiert war der weiße Fleck für diesen Sommer, aber erst ging es ins Lechtal auf die Hanauer Hütte zum Klettern. Als uns aber dort der Wetterbericht mit Ausschluss von Regen oder Gewitter für die nächsten 2 Tage erreichte, haben wir ganz schnell einen Standortwechsel nach Oberstdorf beschlossen, sind am Spätnachmittag mit der Nebelhornbahn aufgefahren und haben im Edmund-Probst-Haus übernachtet, um am nächsten Tag zur Kemptner Hütte zu queren. Wir wollten früh los auf diese lange Tour, und so starteten wir bereits um 6 Uhr, nach einem Frühstück, das wir schon abends mit aufs Zimmer genommen hatten (dem netten Hüttenwirt sei Dank!).
Der Start an einem traumhaften frühen Morgen war nur der Anfang einer traumhaften Tour von 11 Stunden, eines traumhaften Tages und eines der schönsten Bergerlebnisse in meinem Bergsteigerleben. Dabei war es eigentlich nichts Besonderes: keine wirklich hohen Gipfel, keine ausgesetzten Grate, keine Gänsehaut-Stellen, keine Herausforderung. Aber eine unendliche Pracht der Natur: Die berühmte Blumenvielfalt des Allgäus kannte ich natürlich schon – aber nicht in einer solchen Fülle, immer wieder neu und anders, über einen ganzen Tag und mehr als 20 Kilometer. Dazu Gipfel, Gipfel wo immer das Auge hinschaute, die berühmten und weniger berühmten, und rechter Hand immer die Höfats mit all ihren Variationen. Zwischendurch kam mal kurz das Gefühl auf, so viel Pracht auf einmal gar nicht länger ertragen zu können!

Einige Informationen für alle, die dieses Erlebnis auch einmal reizen könnte: Wegen der Länge wird die Durchquerung vom Nebelhorn zur Kemptner Hütte nicht allzu oft gemacht (wir trafen in den 11Stunden nur 6 Leute!). Häufiger geht man zwischen Luitpold-Haus und Kemptner Hütte, ich kann die längere Strecke durch die herrlichen Sommerwiesen aber nur empfehlen!
Also: Am Tag vorher mit der Bahn zum Nebelhorn, übernachten, früh(!!) los. Unterhalb der Seeköpfe auf dem "Via Alpina" zum Laufbacher Eck (der Sattel mit Blick in alle Richtungen zwingt zur Pause!), Abstieg am Schneck vorbei, Aufstieg zum Himmelecksattel und Abstieg zur Wildenfeldhütte. Dort trennen sich die Wege – bei der klassischen Himmeleck-Runde steigt man weiter ab ins Oytal; mit Ziel Kemptner Hütte geht es links ab in weitem Bogen zu den Eis-Seen. Hier ist die nächste Pause fällig – man kann gar nicht anders, weil man die Eindrücke erst mal verarbeiten muss. Man sieht jetzt in den Hang und zum Grat des Rauhecks hinüber, im Juli noch mit kleineren Schneefeldern. Der Aufstieg zum Grat sieht schlimmer aus als er ist, der Gipfel des Rauhecks ist bald erreicht. Dann ein kurzer Abstieg und gegenüber wieder hinauf zum Kreuzeck. Nach den beiden Gipfel geht's ins "Märzele", ein halbrundes Kar mit einigen Schneefeldern, die gequert werden müssen. Ein kurzer, knackiger Aufstieg zum Fürschießersattel – und man sieht die Kemptner Hütte zum Greifen nah, aber wegen eines langen Bogens im Abstieg doch noch eine knappe Stunde weit weg. Der Rest ist nicht mehr so aufregend, es geht allmählich wieder in die Zivilisation mit Gedanken an Trinken, Essen und an ein gutes Lager.

Bitte beachten: Nur bei besten Wetterbedingungen, und nur bei langer Tageshelle, damit Unvorhergesehenes nicht zum Problem wird. Nicht später als 6 Uhr aufbrechen, mit dem Hüttenwirt ein vorbereitetes Frühstück vereinbaren (das ist so reichlich, dass man die Hälfte als Brotzeit mitnehmen kann). Zu rechnen ist mit matschigen Wegen, falls es in den Tagen vorher geregnet hat, und mit kleineren Schneefeldern. Die Wege sind sonst gut, Wanderstöcke empfehlenswert. Zeit einplanen und genießen! Zu überwinden sind rund 1400 Höhenmeter auf einer Distanz von über 20 Kilometern (nach Karte berechnet/geschätzt).

Zeit: In Führern findet man 8 Stunden reine Gehzeit. (Wir haben uns mit kleinen Pausen, viel Gucken und Fotografieren 11 Stunden Zeit gelassen, da die Bedingungen optimal waren.)
Gipfel: Rauheck (2384 m), Kreuzeck (2367 m), beides Grasberge
Hütten:
Edmund-Probst-Haus, 1930 m, Bergstation der Nebelhornbahn
Kemptner Hütte, 1844 m, Abstieg über Spielmannsau zurück nach Oberstdorf
Beide Hütten gut geführt und sehr angenehm (Wochenende meiden!)

 
18.02.2015 16:00:01