Seit Tagen hatte es in den Alpen geregnet und geschneit, so dass wir schon befürchten mussten, die Tour gänzlich abzublasen. Die Schneefallgrenze lag bei knapp 2800m und die Tour spielte in Regionen von 2400m bis 3455m. Vorgesehen war das so genannte Ötztaler Hufeisen auf der eisfreien Route, also von Vent über das Wilde Mannle (3023m) zur Breslauer Hütte, dann über den Urkundkolm (3134m) zur Vernagthütte, weiter über die Guslarspitze (3128m) zum Hochjochhospiz, dann die Überquerung vom Rofenbachtal ins Niederjochbachtal über den Saykogel (3355m) und von der Martin-Busch-Hütte zur Kreuzspitze (3455m).
Nun kamen wir am 7. August abends in Vent in der Bergsteigerunterkunft Haus Eberhard (Tipp: 19 Euro die Nacht inkl. Frühstück) an, es regnete leicht und der Pessimismus stieg weiter. Die erste niederschlagende Nachricht war dann, dass Saykogel und Kreuzspitze auf Grund des vielen Schnees nicht begehbar sind. Der Rest der Tour sollte jedoch, wenn das Wetter mitspielte, machbar sein.
Vent – Wildes Mannle – Breslauer Hütte
Die Sonne schien diesen Morgen und wir konnten zum ersten Mal die Ötztaler Berge sehen, so dass wir frohen Mutes auf sonnige Tage loszogen. Von Vent aus über die Autobrücke, wo ich dann noch merkte, dass ich ja noch meine Turnschuhe statt der Wanderschuhe anhatte und noch mal kehrt machen musste, ging es dann schon gleich schlammig entlang der Wildspitzsesselbahn bergauf. Und siehe da: der Himmel zog sich zu, es wurde neblig und kalt, aber immerhin regnete es ja nicht, also gingen wir dem Wilden Mannle entgegen. Ab der Sesselbergstation, wo gleich massenhaft Wanderer zu uns stießen, war das steilste Stück geschafft. Jetzt ging es erst einmal ein Stück breiten Weg Richtung Breslauer Hütte bis es rechts auf einen schmalen Pfad zum Wilden Mannle abzweigte. Am Fuß der Felsen trafen wir auf den ersten Schnee
Breslauer Hütte – Vernagthütte
Der Mittwoch begann noch schöner als der Dienstag aufgehört hatte. Klare Sicht und nur einzelne kleine Nebelwölkchen im Tal. Bestes Wetter für den Seuffert-Panoramaweg Richtung Vernagthütte. Wir entschieden uns allerdings erst für einen zweiten Aufstieg auf das Wilde Mannle, denn wir wollten sie unbedingt sehen, die Wildspitze, den höchsten Berg Tirols. So starteten wir also um 7 Uhr und sollten dann schließlich die ersten am Gipfel sein.
Vernagthütte – Mittlere Guslarspitze (3128m) – Hochjochhospiz
Am nächsten Morgen wurden wir dafür wieder von strahlendem Sonnenschein und drei quirligen Murmeltieren begrüßt. Das bedeutete vor dem frühstück erst einmal einen Fotospaziergang um die Hütte. Das ganze Gebiet des Vernagtferners mit Hochvernagtspitze und Fluchtkogel waren zu sehen, die Guslarspitzen mit dem Guslarferner und der Blick ins Tal mit Talleitspitze und Kreuzspitze.
Auf dem Abstieg liefen wir noch ein paar Meter den Deloretteweg in Richtung Brandenburger Haus, um von oben in die Spalten des mächtigen Kesselwandferners zu schauen. Atemberaubend!
An diesem Abend, es fing dann aufs heftigste an zu schneien, waren wir mindestens genauso erschöpft wie am Tag zuvor. Dabei sollte dies definitiv ein Ruhetag werden.
Hochjochhospiz – Saykogel – Bella Vista
Der Tag begann grau, die Guslarspitzen waren mit Neuschnee gezuckert und wir wollten uns den Saykogel zumindest einmal aus der Nähe betrachten und wenn die Überschreitung nicht möglich war zur Bella Vista wandern. Es war die Tour ins Ungewisse, ein unbekanntes Abenteuer, bei dem der anstrengende, lange und sehr steile Anstieg zu den beiden Seen unterhalb des Gipfelgrates des Saykogels uns eigentlich keine Mühe machte. Hier oben wurde es kalt und nass. Wir wollten so weit wie möglich kommen und eventuell doch die Martin-Busch-Hütte auf der anderen Seite erreichen. Als wir die Felsplatten schon hinter uns gelassen hatten, der Steig immer schmaler und steiler wurde, wurde uns doch etwas mulmig. Dennoch schritten wir immer weiter voran. Die Zeichen waren zu erkennen und eine alte, leicht bedeckte Spur zu sehen
Bella Vista – Vent
Der Tag ist kurz beschrieben: 6 Stunden Schnee, Regen und Nebel.
Im ersten Teil von der Bella Vista (die heute keine war) bis zum Hochjochhospiz trotteten fünf Schafe eine Zeit lang gemütlich vor uns auf dem Weg entlang, warteten ab und zu auf uns, bis wir ihnen klargemacht hatten, dass wir nicht ihre Hirten waren. Für ein paar Minuten schaute am Hospiz die Sonne hervor, doch den Rest des Weges nach Vent verbrachten wir im strömenden regen und zeitweise im Schnee. Landschaftlich ist der Cyprian-Granbichler-Weg äußerst reizvoll. Er führt oberhalb einer wildromantischen Klamm ins Tal. Zu schade, dass die TIWAG hier einen 170 Meter hohen Staudamm errichten will.
Nachdem es dann abends aufgehört hatte zu regnen, machten wir noch einen kleinen Spaziergang um den Sonnenuntergang zu schauen. Am hohlen Stein, ein altes Jägerlager aus Ötzizeit, konnte man noch mal die Berge ringsherum genießen.
Klettersteig Lehner Wasserfall
Der Abreisetag begann wie im Bilderbuch. Sonne satt. Deswegen beschlossen wir zum Abschluss noch einen kleinen Klettersteig mitzunehmen. In Längefeld liegt wohl der schönste Klettersteig des Ötztals, der am Lehner Wasserfall.
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