1. Etappe Malbun - Sareiserjoch - Nenzinger Himmel
Liechtenstein Tourismus
Hier, am Ausgangspunkt der mehrtägigen Rundtour lohnt es sich, den besonderen Moment des Aufbruchs in Ruhe auszukosten. Zum Einstieg gilt: Alltagsgedanken loslassen, die Natur wahrnehmen, frische Bergluft einatmen, den Ausblick wirken lassen und anhand der Wander-karte im Gelände erst einmal Orientierung finden.
Die zehn ersten Marschminuten folgen dem Fürstin Gina Weg bis zum Sareiser Joch. Doch anstatt den Bergpfad auf den Augstenberg (2359m) zu wählen, mit bemerkenswerter Botanik am Wegrand, steigen wir links über die Bergflanke hinunter via Alp Sareis (1860m) in Richtung Nenzinger Himmel.
Linkerhand türmen sich am Gamsgrat (2108m) bizarre Felstürme, Steintore und Höhlen auf. Im Vordergrund locken ausladend weite, karge Bergweiden ganze Gämsherden zum Äsen. Durch den lichten Wald hinunter kommen wir dem Himmel näher.
2. Etappe Nenzinger Himmel - Amotschonjoch – Brand
Christoph Jaag
Im Weitergehen steigen wir über satte Weiden bis zur nahen Anhöhe, wo sich der Blick nordostwärts übers Gagafeld bis zum Amatschonjoch (2028 m) öffnet. Der schmale Pfad folgt einer weiten, gegen Nordwesten hin steil abfallenden Bergflanke. Im Frühherbst, im Höhepunkt ihrer Brunft, werben hier männliche Hirsche mit einem trocken, eindringlichen Röhren um Zuneigung ihrer Artgenossinnen. Eine Klangkulisse, die dumpf aus dem bewaldeten Talboden herauf steigt und berührt.
Vom Amatschonjoch , dem grasig grünen Übergang aus, geht's dann abwärts, unter einem ersten Sessellift (nur Winterbetrieb) durch und via Gulma-Steig zur Bergstation der Niggenkopfbahn (1589 m). Die restlichen 582 Höhenmeter nach Brand (1007 m) schafft die Sesselbahn für uns. Das Strassendorf Brand ist eine ursprüngliche Walsersiedlung und verfügt heutzutage über moderne Tourismuseinrichtungen für Sommer- und Wintergäste.
3. Etappe Brand - Lünersee - Heinrich Hueter Hütte
Montafon Tourismus
Vom östlichen Seeufer aus folgen wir zunächst dem steil ansteigenden Rundweg und gewinnen schnell Höhenmeter über dem Seespiegel. Mit der glitzernden Wasseroberfläche im Vordergrund zeichnen von links nach rechts Zaluandakopf, Kirchlispitzen, Schesaplana und Seekopf eine besonders eindrückliche Gipfellinie. Wir zweigen nach rund 20 Minuten links in Richtung der Lünerkrinne (2155 m) ab und begegnen allmählich weniger Spaziergängern. Nach dem Rummel wird's wieder ruhiger.
Die Fortsetzung führt über die Lünerkrinne am Gipsköpfle (1975 m) vorbei zur Heinrich Hueter Hütte (1766 m). Nässeperioden können den Pfad aufweichen: der Reiz der Gegend kompensiert jedoch den möglichen Frust über verschmierte Wanderschuhe. Wer zudem im Herbst unterwegs ist, staunt ob dem Gurren von balzenden Birkhähnen im nahen Umfeld der Hütte.
4. Etappe Hueter Hütte - Schweizertor - Lindauer Hütte
Montafon Tourismus
Nach dem Zaluandibach zweigen wir rechts ab und folgen diesem südwärts. Ein prächtiger Blick in Richtung der drei Türme weist uns bereits auf die Gegend hin, die wir heute erreichen werden. Ab der unteren Zaluandi Alpe verlassen wir den Güterweg und folgen einem immer steiler werdenden Bergweg. Reizvolle Bergseen ergeben zusammen mit der immer näher kommenden Kulisse der Drusenfluh einen unvergleichlichen Charakter, wo man wohl spätestens das Lunchpaket auspacken wird und dann die vorgefundene Ruhe einfach geniesst.
Am Schweizertor (2139 m) erinnert das massive Zollhaus an Zeiten, wo Grenzen noch Grenzen waren. Ein atemberaubender Blick gegen Süden belohnt die wenigen, zusätzlichen Schritte zum eigentlichen Übergang: Das Prättigau liegt uns zu Füssen, dahinter tausend Gipfel.
Weiter geht’s hinauf zum Öfapass (2291 m), dem heute höchsten Punkt. Hier können die nahen und senkrecht hohen Kalkwände der Drusenfluh (2830 m) bedrohlich einengend wirken. Eher steil und gewunden führt der Weg zur Lindauer Hütte (1744 m) hinunter. Als blühende Zugabe winkt uns der mit viel Liebe angelegte, alpine Pflanzengarten, gleich neben der Hütte.
5. Etappe Lindauer Hütte - Tilisunahütte - Partnun
Christoph Jaag
Oben auf der Wasserscheide, der Schwarzen Scharte (2336 m) öffnet sich der Ausblick über den Tilisuna See, die weite, flache Tilisuna-Alpe und hinüber zur Sulzfluh (2818 m). Auf einem kurzen Abstieg entlang der östlich abfallenden Bergflanke erreichen wir die Tilisunahütte (2208 m).
Genusswandern ist auf dem Weg am Grubenpass (2241 m, mit Grenzerhütte) vorbei zum Plasseggenpass (2351 m) angesagt. Von der Wyssplate herunter säumen grelle Karrenfelder (Karst) die Strecke. Im Abstieg auf Schweizerseite queren wir zunächst eine weite, sanft abfallende und durch steile Bergflanken eingekesselte Steinwüste. Über die Steilstufe hinunter, gelangen wir nach Partnun (1801 m ) . Wie wär‘s da mit einem entspannenden Heublumenbad unter freiem Himmel?
Die Rätikontour Nord kommt damit zum Ende. Wer will, kann zum Ausklang optional eine stimmige Abschlussnacht anhängen. Der Abstieg nach St. Antönien erfolgt zu Fuss oder per Trottinett bis zur Postauto-Endstation St. Antönien-Rüti und von da mit Postauto und Bahn zurück zum Ausgangspunkt.
6. Etappe Berghaus Sulzfluh, Partnun – Carschinahütte
Ernst Flütsch
Frühsommer im Hochgebirge bedeutet Bergfrühling. Nach der Schneeschmelze entfaltet sich die Natur sehr rasch in grosser Vielfalt: mit üppig blühenden Pflanzen, bunten Schmetterlingen, kriechendem und fliegendem Kleingetier. Auch Steinadler sind in dieser Gegend heimisch, sie lassen sich anhand ihrer Grösse, ihrem ruhigen Flug und den gefingerten Aussenrändern ihrer Schwingen gut erkennen.
Wer sich heute körperlich mehr zumuten möchte, hat die Möglichkeit, bereits ab Partnun die Sulzfluh (2818 m) resp. von der Carschinahütte aus den Schafberg zu besteigen, im eisigen Wasser des Partnunsees zu schwimmen, oder zu den Sulzfluhhöhlen aufzusteigen.
7. Etappe Carschinahütte – Gafalljoch – Schesaplanahütte
SBM-Events AG
Gemäss Routenprofil folgt nun ein kurzer Abstieg bis unterhalb des Schweizertors (2139 m). Wer will, kann über ein mit fixen Seilen gesichertes Felsband zum Schweizertor aufsteigen und braucht dafür ca. 1 Std. hin und zurück.
Im Geröll direkt unter dem Schweizertor beginnt jetzt der einzige nennenswerte Aufstieg des Tages zum Gafalljoch (2239 m). In den Wänden der Kirchlispitzen (2561 m) tummeln sich öfters auch Kletterer in ihrem Element. Nördlich hinter dem Gafalljoch wird der Lünersee sichtbar; doch anstatt dahin erfolgt der Abstieg auf der gleichen Seite der Wasserscheide gegen Westen hin über die weiten Weiden der Alp Vals bis zur Schesaplanahütte (1908 m).
8. Etappe Schesaplanahütte – Pfälzerhütte
Liechtenstein Tourismus
Auf der Gross Furka wechseln wir nach Österreich und erreichen den Kulminationspunkt von Rätik on tour. Gegenüber, auf dem Naafkopf (2571 m) steht übrigens der Dreiländereck-Grenzstein. Die Fortsetzung führt nördlich vom Hauptkamm, zuerst steiler abfallend, dann weniger steil, ins felsig-flache Gebiet ums Barthümeljoch. Nebst dem landschaftlichen Reiz dieser Stelle springen hier eigenartig rötliche Felsadern (Couches-rouges) auf, die - im grauen Fels eingelassen - auch der Roten Wand ihren Namen geben.
Der Weg zur Pfälzerhütte (2108 m) folgt der Höhenlinie entlang. Er quert die steile Ostflanke des Naafkopfs. Diese kann zu Saisonbeginn, wenn noch Schnee liegt, Schwierigkeiten bieten: ein Durchkommen ist normalerweise ab Mitte Juni möglich, in extremen Jahren jedoch erst ab Mitte Juli. Das Bettlerjoch, hier steht die Hütte, bildet die Landesgrenze zwischen Liechtenstein und Österreich.
9. Etappe Pfälzerhütte – Naaftal – Älple – Steg
Liechtenstein Tourismus
Auch die abschliessende Etappe führt uns wieder durch eine reizvolle Gegend. Im liechtensteinischen Saminatal, auf unserer heutigen Wanderstrecke, fehlen zwar spektakuläre Ausblicke, doch Blumenwiesen, ursprüngliche Natur und viel Bergwald ziehen uns in ihren Bann. Der leicht abfallende Routenverlauf erlaubt zudem einen ungestörten Gang über Weiden. Die letzten Tage können noch einmal vor uns ablaufen, die Gedanken sich einordnen.
Die Häuser von Steg sind auffällig im Rechteck um die Wiesen herum angeordnet, was sich besonders von oben gut überschauen lässt. Sie verkörpern ausnahmslos einen traditionellen Baustil und weisen auf eine sehr strikte Bauordnung hin.
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