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Nachtleben über Mittenwald

4. Oktober 2005
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(3.1 bei 9 Bewertungen)
von: Bergguerillero
Land: Deutschland
Eine Freinacht hoch über den Dächern von Mittenwald. Die Berge im zauberhaften Schimmer einer Vollmondnacht. Mutterseelenallein am Mittenwalder Höhenweg.

Feierabend

Abendstimmung im Karwendel
Abendstimmung im Karwendel
Es ist Freitag-Nachmittag, kurz vor fünf. Der Wetterbericht hat ein halbwegs stabiles Hoch ausgeworfen, zumindest für den Samstag noch, am Sonntag soll es schon wieder blitzen und donnern. Punkt Drei haben wir die Computer ausgeschaltet und sind in Richtung Karwendel gedüst. Letzte Bergfahrt – leere Gondel, einzig ein Bergwachtmann aus Krün mit Ziel Diensthütte im Dammkar begleitet uns. An der Bergstation hastet er eilig davon.
Mildes Spätnachmittagslicht flutet über die Aussichtsterrasse vor dem Wetterstein. Feierabend, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Schatten werden länger

Weit, wild, einsam
Weit, wild, einsam
Nach einer gemütlichen Stunde wandern wir hinauf zur Westlichen Karwendelspitze. Ein paar hundert Meter nur weg von der Seilbahnstation. Plötzlich bist du in den Bergen. Weit weg von zu Hause, von der Arbeit und den kleinen und großen Sorgen des Alltags. Hier oben ist genau der richtige Platz, um den Sonnenuntergang zu genießen. Im Westen taucht das Gegenlicht die Gipfel und Rücken von Wetterstein, Ammergau und Lechtal in ein Wogenmeer aus bläulichem Dunst. Die Schatten werden länger.

Ein exakt vorbereitetes "Picknick-Biwak"

Nur der Mann im Mond...
Nur der Mann im Mond...
Es ist Zeit, ein Stück abzusteigen und ein geeignetes Nächtigungsplätzchen zu suchen. Wir wollen einfach nur eine Nacht in den Bergen erleben. Mittendrin in der Natur. Uns einfach still und leise einfügen in die Welt der Berge bei Nacht. Im oberen Teil des Dammkars bricht langsam die Dämmerung herein. Auf einem ebenen Fleck hat sich eine Gämse niedergelassen und weist uns so zu unserem Zimmer mit Sternenblick. Gelassen zieht sie ein paar Meter weiter, während wir Schlafsäcke und Isomatten entrollen. Die Rucksäcke bergen ein opulentes Outdoor-Menue: Parmesan und Parmaschinken, Schüttelbrot, Oliven, getrocknete Tomaten, mediterrane Köstlichkeiten wie vom Italiener, und als Gipfel der Üppigkeiten ein Fläschchen Salice Salentino. Es geht doch nichts über ein exakt vorbereitetes „Picknick-Biwak“. Reichlich gesättigt krabbeln wir in die Schlafsäcke, spähen nach Sternbildern und lauschen den Geräuschen der Nacht.

Mittenwalder-Höhenweg

Bergsteigen für Nachtlichter
Bergsteigen für Nachtlichter
Obgleich wir erst spät einschlafen, sind wir schon vor dem ersten Sonnenstrahl wieder auf den Beinen. Über die Karwendelspitze kraxeln wir durch die Morgenfrische zum Mittenwalder-Höhenweg zurück. Erst in ein paar Stunden werden mit der ersten Bahn die Klettersteig-Freaks hier oben ankommen. Bis dahin sind wir längst über alle Berge. Munteres Steigen bergauf, bergab, immer in Richtung Süden mit Blick auf die schimmernden Schneeberge des Alpenhauptkammes. Weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen, kein Gegenverkehr bis hinüber zur Tiroler Hütte. Dort liegen wir faul in der Vormittagssonne und verfolgen mit dem „Operngucker“ das rege Treiben am Gratverlauf. Der Nachmittag sieht uns schon wieder zuhause am Badesteg. Also eigentlich nur eine Tagestour, oder vielmehr eine Nachttour. Doch um wievieles reicher kehren wir zurück, haben wir die Berge doch in einem ganzen Tageslauf mit Wärme und Kälte, Licht und Schatten erleben dürfen!

 
08.02.2012 21:30:02