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Top Of the Alps

22. Januar 2007
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von: nevado_pisco
Land: Frankreich
Eine besondere Skitourenwoche

Tag1: Ref. Argentiere - Col de Noir 3.525 m

Mont Blanc 4810 m vom Grand Mo
Mont Blanc 4810 m vom Grand Mo
So 30.04.2006: Auf: 1.005 HM / Ab: 1.4750 HM / Sonne
Nachdem wir (der Peter Grundei, der Boxhammer Max und ich) vor 2 Jahren wegen eines Wettersturzes unterhalb des Petit Plateau´s am Mont Blanc (über die Mallets-Route) aufgeben mussten, ließ mich der Monarch nicht mehr los; zu groß waren die gesammelten Eindrücke der Skitourenwoche rund um Chamonix. Es war nicht sehr viel an Überredungskunst notwendig meine Freunde Willi Gruber/Graz und Georg Forstner/Bad Aibling für diese Skitourenwoche zu gewinnen. Geplant war diesmal Besteigung mit Skiern über die Tacul/Maudit-Route; unser Führer in dieser Woche war wieder der Robert aus Salzburg.

Refuge Argentiere - Stützpunkt für unsere Eingehtouren

Blick hinüber in die
Blick hinüber in die "Court"
Am Sonntag, den 30.04.06, war es dann soweit, wir gingen die geplanten Eingehtouren rund um die Argentiere-Hütte mit voller Vorfreude an. Nachdem Frühstück fuhren wir mit der Seilbahn hinauf zur Grand Montets auf 3.295 m. Ein fantastisches Panorama wartete auf unsere glühenden Augen; bei bestem Wetter schweifte der Blick von der Argentiere-Gruppe hinüber zum Monarchen. Nach einer kurzen Abfahrt hinunter zum Glacier de Argentiere 2.685 m folgte das Anfellen und der kurze Anstieg hinauf zur Refuge Argentiere 2.770 m. Wir lassen das für diesen Tag überflüssige Gepäck/Ausrüstung auf der Hütte und machen uns auf den Weg zum Col du Noir. Über den Gletscher vorbei an Seracs geht es etwas steiler hinauf zum oberen Noir-Gletscher und dann weiter flach ansteigend unserem heutigen Ziel entgegen. Nach ca. 1.000 HM Aufstieg erreichen wir den Col de Noir auf 3.525 m. Bei bestem Wetter genießen wir die Fernsicht und die Vorfreude auf eine wunderbare Woche. Direkt gegenüber kann man den fantastischen Anstieg auf die "Court" einsehen und diese weckt begehrlichkeiten. Nach einer tollen Firnabfahrt erreichen wir unseren Stützpunkt für die nächsten beiden Tage, die Refuge Argentiere; wir genießen die Aussicht und das tolle Wetter und legen uns dann früh schlafen.

Tag 2: Ref. Argentiere - Aig. Argentiere 3.905 m - Ref. A

Aig Argentiere 3.905 m
Aig Argentiere 3.905 m
Mo 01.05.2006: Auf: 1.345 HM / Ab: 1.345 HM / Sonne
Nach einem sehr guten Frühstück brechen wir nicht zu früh auf und gehen unser heutiges Ziel, die Aig. Argentiere an. Zuerst gilt es auf einem hart gefrorenen Untergrund Richtung Argentiere-Gletscher bis auf 2.750 m abzufahren. Wegen der harten gefrorenen Unterlage und der Steilheit des Geländes sind wir die ersten 400 HM mit den Steigeisen aufgestiegen bis das Gelände und die Bedingungen das Anfellen erlaubt hat. Mit den Skiern unter den Füßen ging es zwischen den flankierenden Felswänden weiter hinauf bis zum Einstieg in die sehr steile und respekteinflösende Gipfelwand der Argentiere. Die letzten 250 bis 300 Höhenmeter geht es mit Steigeisen und den Skiern auf dem Rücken Richtung Gipfel. Während des Aufstieges ist volle Konzentration gefordert und jeder Gedanke daran, dass hier eine Abfahrt mit den Skiern über diese Gipfelflanke (50 Grad plus x) möglicht ist, wird vorerst verdrängt. Immer steiler und ausgesetzter erweißt sich die Gipfelflanke, die jedoch dank der guten Verhältnisse, recht gut zu begehen war. Am Gipfel angekommen waren wir überglücklich diese Flanke hinter uns gebracht zu haben und wir wurden mit einem fantastischen Ausblick auf die Court, den Monarchen und auf die Berge der "Haute Route" belohnt.

Aig. Argentiere über die steile Gipfelflanke

Die steile Gipfelflanke
Die steile Gipfelflanke
Anders als die restlichen Gipfelstürmer haben wir nicht den Rückweg mit Steigeisen angetreten sondern uns die Skier angeschnallt. Mit etwas flauem Gefühl in der Magengegend sind wir in die steile Gipfelflanke eingefahren; die Verhältnisse waren sehr gut und darum war die Abfahrt auch gut machbar. Lediglich in einer kurzen vereisten schmalen Rinne musste vorsichtig abgerutscht werden. Mit dem Bewusstein noch nie so weine steile und gleichzeitig so ausgesetzte Abfahrt mit den Skiern gemeistert zu haben ging es wieder hinunter zum Glacier Argentiere auf 2.750 m. Bei weiter herrlichem Sonnenschein ging es dann wieder hinauf zur Refuge Argentiere, unser Quartier für eine weitere Nacht.

Tag 3: Ref. Argentiere - Col du Chardonet - Fenetre du Tour

Aufstieg zum Col de Argentiere
Aufstieg zum Col de Argentiere
Di 02.05.2006: Auf: 1.250 HM / Ab: 2.450 HM / Sonne
Nachdem wir uns wegen unserem Hauptziel, dem Mont Blanc, nun doch entschlossen haben nicht in die "Court" einzusteigen lag an diesem Tag eine fantastische Abahrt mit 2.450 HM nach Le Tour vor uns. Vor der Abfahrt waren jedoch noch ca. 1.250 HM Aufstieg zu bewältigen. Nach der wiederum recht vereisten Abfahrt hinunter zum Gletscher ging es zuerst mit Steigeisen über eine Steilstufe hinauf auf bis ein flacheres Stück uns das Anfellen erlaubte. In schönem nicht allzu steilen Gelände ging es hinaus zum Col du Chardonet auf 3.325 m, dem Einstieg der klassischen "Haute Route". In einer steilen mit einem Fixseil versehenen Rinne erfolgte dann mit Steigeisen der kurze Abstieg in ein weiter Gletscherbecken, das dann einen weiteren Gegenanstieg über eine Firnflanke für uns bereithielt. Über den Fenetre du Tour auf 3.415 m ging es dann hinüberquerend zum Petit Fourche auf 3.520 m. Das fantastische Wetter und die tolle Aussicht waren ein Feuerwerk der Eindrücke bevor wir und für die lange Abfahrt bereit machten. Über scheinbar endlose unberührte Tiefschnee- und Firnhänge ging es hinunter nach Le Tour und wir konnten eine der schönsten Abfahrten in der gegend um Chamonix bei besten Bedingungen genießen. Bis zum abgestellten Auto war die Abfahrt möglich. Dieser tolle Tag klang dann bei einem kühlen Bier in Chamonix aus, bevor wir in unserem kleinen Hotel nach einem guten Abendessen in die weichen Betten gefallen sind.

Tag 3: Chamonix - Aig du Midi - Cosmique - Tacul-Schulter

Aufstieg zum Tacul
Aufstieg zum Tacul
Mi 03.05.2006: Auf: 550 HM / Ab: 680 HM / Sonne - Nachm. Bewölkung - aufkommender Fön
Nach einer erholsamen Nacht in Chamonix fahren wir am Morgen mit der Seilbahn hinauf zur Aig du Midi bei immer noch fantastisch gutem Wetter und herrlichen Fernblicken hinüber zum Monarchen. Nach einer kurzen Abfahrt und einem kleinen Gegenanstieg erreichen wir die auf einem Felssporn gelegene sehr schöne und perfekt geführte Refuge Cosmique auf 3.613 m. Nach dem Verstauen unserer Ausrüstung/Gepäck und einer Tasse Tee machen wir uns wieder auf dem Weg. Als weitere Eingehtour steht heute die Tacul-Schulter bzw. vielleicht auch der Tacul-Gipfel auf dem Programm

Abendstimmung auf der Refuge Cosmiques

Der Taccul im Abdenlicht
Der Taccul im Abdenlicht
Der Georg hat sich in den letzten Tagen eine leichte Infektion/Erkältung eingefangen und so ging er nicht fit in diesen Tag. Die perfekten Bedingungen an diesem Tag ermöglichten es uns die Tour auf den Tacul mit den Skiern zu bewältigen; lediglich eine Gletscherspalte wurde mit den Steigeisen an den Füßen überquert. Auf der Tacul-Schulter 4.100 m haben wir beschlossen nicht mehr weiter zum Gipfel zu gehen, um uns Körner für den nächsten langen Tag aufzusparen. Beeindrucken vor uns lag die morgige Route über die Mont Maudit Schulter mit ihrer Eisflanke und dahinter der Monarch, das Dach der Alpen. Vor uns lag jetzt noch eine herrliche und auch steile Abfahrt vom Tacul hinunter in den Tacul-Sattel, beste Bedingungen mit sehr guten Schneeverhältnissen. Der Tag klang auf der Ref. Cosmiques sehr gemütlich aus und aufkommende Fönwinder zauberten fantastische Farben an den Abendhimmel.

Gipfeltag Mont Blanc

Mont Maidit Schulter 4.325
Mont Maidit Schulter 4.325
Tag 4: Refuge Cormiques - Tacul - Mont Maudit - Mont Blanc 4.810
Do 04.05.2005: Auf: 1.690 HM / Ab: 1.690 HM / Sonne - keine Wolken - kein Wind
Im Laufe der Nacht verstärkte sich der Fönsturm immer mehr; während viele Seilschaften noch in der Nacht aufgebrochen sind haben wir uns noch mal schlafen gelegt, um ein Abflauen des Windes abzu-warten. Dieser Tag war die letze Möglichkeit auf den Gipfel, denn für die kommenden Tage ist ein Schlechtwettereinbruch angesagt. Und Tatsächlich: der starke Wind legte sich und wir konnten um 5 Uhr 30 aufbrechen; der Georg musste aufgrund seiner Erkältung leider auf den Gipfelanstieg verzichten. Während des Aufstieges zur Tacul-Schulter wurde es Hell und die Sonne kam langsam über den Horizont. Der Willi und ich waren gut drauf und so konnten wir scheinbar recht mühelos an den Skienden vom Robert bleiben. Nach der Tacul-Schulter und der folgenden Querung lag der steile Anstieg zum Mont Maudit vor uns. Anfangs noch mit Skiern. Später mit Steigeisen an den Füßen näherten wir uns der Nordflanke hinauf zur Mont Maudit Schulter. Über eine gut zu überwindende Gletscherspalte sind wir in diese steile Firn-/Eisflanke eingestiegen; nur wenig Blankeis erschwerte diesen Teil des Anstieges.

vom Col de Brenva zum Gipfel des Monarchen

Der Gipfelaufbau des Monarchen
Der Gipfelaufbau des Monarchen
Froh diese doch recht ausgesetzte Passage hinter sich gebracht zu haben ging es dann hinüber zum Col de Brenva 4.303 m. Noch immer für unsere Verhältnisse recht flott unterwegs konnten wir so manche in der Nacht aufgebrochene Seilschaften überholen. Nach einer kurzen Pause lagen jetzt noch die letzten 500 HM vor uns bei immer noch super Wetter; der Wind hatte sich fast gänzlich gelegt und nur ein paar Wolken zogen am blauen Himmel vorüber. Die letzten 200 HM zum Gipfel des Mont Blanc ließen forderten dann doch noch mal alle Kräfte von uns, wir waren am Anschlag. Aber: Überglücklich betraten der Willi und ich gemeinsam nach 6,5 Stunden den Gipfel des Monarchen, fast wie ein Jahr zuvor den Gipfel des Elbrus im fernen Kaukasus. Ein unbeschreibliches Gefühl bei Windstille und wolkenlosem Himmel auf dem Dach der Alpen zu stehen und eine atemberaubende Fernsicht zu genießen. Auf die direkte Abfahrt vom Gipfel in die Mont Blanc Nordflanke haben wir dann aufgrund des dann nötigen Gegenanstieges zum Col de Brenva verzichtet und auch die Abfahrt über die Mullets-Route kam wegen der schweren Eisbrüche am Petit Plateau nicht in Frage.

Auf dem Dach der Alpen

Die letzten 100 Höhenmeter
Die letzten 100 Höhenmeter
Überglücklich machten wir uns über die Aufstiegsroute zurück Richtung Refuge Cormiques. Vom Gipfel konnten wir komplett mit den Skiern abfahren, nur die beiden kurzen Gegenanstiege und die Abseilstelle an der Maudit-Schulter unterbrachen eine wiederum geniale Skiabfahrt; besonders der Tacul hielt noch mal eine genussreiche Skiabfahrt für uns bereit. Nach insgesamt 10 Stunden haben wir die Ref. Cormiques wieder erreicht und auf der Terrasse konnte man in den Tage ganz gemütlich ausklingen lassen. Bei einem Glas Rotwein wurde auf einen außergewöhnlichen Tourentag angestoßen.
Insgesamt herrschten an diesem Tag tolle Verhältnisse bei noch besten Wetterbedingungen. Die Abfahrt über die Nordflanke und das Grand/Petit Plateau zur Ref. Gran Mulets wurde von einigen gemacht, obwohl das Petit Plateau übersäht war mit großen Eisschlag-Brocken und die Serracs über dem Petit Plateau kein sicheres Gefühl geben dürften. Die Variante vom Col de la Brenva über den Corridor zum Grand Plateau wurde ebenfalls gemacht, wir haben diese Variante wegen dem doch vorhandenen Kräfteverschleiß sein lassen.

Tag 5: Refuge Cormiques - Vallee Blanche - Montevers

Gipfelglück auf dem Mont Blanc
Gipfelglück auf dem Mont Blanc
Fr 05.05: Auf: 140 HM / Ab: 1.960 HM / Wolken - Aufkommendes Schlechtwetter
Die Wetterprognose hat sich bewahrheitet; der Fön brach zusammen und das Wetter schlug um; Nebel und Schneefall hätten an diesem Tag eine Besteigung des Mont Blanc unmöglich gemacht. Erst nach reiflicher Überlegung haben wir uns dazu entschlossen die Skiabfahrt über das Vallee Blanche zu machen und nicht mit der Aig. du Midi ins Tal zu fahren. Trotz des wenigen Schnees war es wieder sehr beeindruckend die Abfahrt über den mit vielen offenen Spalten durchsetzten Gletscher vorbei an den vielen klassischen Anstiegen in diesem Tal. Von Montevers ging es dann mit der Zahnradbahn zurück nach Chamonix. Mit ein paar Bieren und Abends etwas Rotwein wurde dann auf eine super Woche angestoßen. Memerkenswert war dann noch unser Wetterglück; bei Regen sind wir in Chamonix angekommen und bei Regen haben wir den Heimweg angetreten; dazwischen lagen 5 tage bei besten Bedingungen.

Sonnenuntergang auf der Refuge Cosmiques

Abendstimmung am Monarchen
Abendstimmung am Monarchen
 
08.02.2012 21:40:01