Biancograt (und Spraunzagrat) 1997
Der Biancograt zählt zweifellos zu den schönsten Grat - Touren der Alpen überhaupt und ist fast immer stark überlaufen. Wie am Weisshorn sind auch hier eine sehr gute Kondition, Akklimatisation und solide Kletterkenntnisse nötig. Sonst wird die Tour schnell zur Tortour.
Nichts ist schlimmer und stresst mehr als das Hochraufen in einer Kletterstelle, hinter sich eine Horde ungeduldiger Bergsteiger....
Wir haben den Spraunzagrat deshalb bewusst als Trainingstour für den Biancograt begangen. Die Weisshorn - Traversierung war für uns insgesamt anspruchsvoller als der Biancograt. Deshalb eignet dieser sich sehr gut als Vorbereitungstour für die Weisshorn - Traversierung.
Der Sommer 1997 ermöglichte meinem Tourenpartner und mir dank guten Wetters und idealer Verhältnisse viele schöne Touren. Von 2 Touren möchte ich im Folgenden berichten.
Ziel war wieder mal die Berninagruppe. Wir hatten am Ende von 3 Wochen Bergsteigen den Spraunzagrat am Piz Morteratsch und am nächsten Tag den Biancograt als Höhepunkte geplant.
Unsere Wunsch - Bergführer, die wir im Laufe der letzten Jahre dort kennen gelernt hatten, waren alle schwer beschäftigt, und so hatte uns die Bergsteigerschule Pontresina einen Führer der Bergsteigerschule Uri vermittelt. Sein Name ist Walter Hungerbühler jun. Wir trafen ihn auf der Bovalhütte. Er kam gerade mit einem Gast vom Biancograt.
Der Biancograt zählt zweifellos zu den schönsten Grat - Touren der Alpen überhaupt und ist fast immer stark überlaufen. Wie am Weisshorn sind auch hier eine sehr gute Kondition, Akklimatisation und solide Kletterkenntnisse nötig. Sonst wird die Tour schnell zur Tortour.
Nichts ist schlimmer und stresst mehr als das Hochraufen in einer Kletterstelle, hinter sich eine Horde ungeduldiger Bergsteiger....
Wir haben den Spraunzagrat deshalb bewusst als Trainingstour für den Biancograt begangen. Die Weisshorn - Traversierung war für uns insgesamt anspruchsvoller als der Biancograt. Deshalb eignet dieser sich sehr gut als Vorbereitungstour für die Weisshorn - Traversierung.
Der Sommer 1997 ermöglichte meinem Tourenpartner und mir dank guten Wetters und idealer Verhältnisse viele schöne Touren. Von 2 Touren möchte ich im Folgenden berichten.
Ziel war wieder mal die Berninagruppe. Wir hatten am Ende von 3 Wochen Bergsteigen den Spraunzagrat am Piz Morteratsch und am nächsten Tag den Biancograt als Höhepunkte geplant.
Unsere Wunsch - Bergführer, die wir im Laufe der letzten Jahre dort kennen gelernt hatten, waren alle schwer beschäftigt, und so hatte uns die Bergsteigerschule Pontresina einen Führer der Bergsteigerschule Uri vermittelt. Sein Name ist Walter Hungerbühler jun. Wir trafen ihn auf der Bovalhütte. Er kam gerade mit einem Gast vom Biancograt.
Aufbruch zum Spraunzagrat von der Bovalhütte um 4.45 Uhr. Bis zum Einstieg auf ca. 2800 m geht es durch die Dunkelheit weglos über steiles Geröll und einige Wasserläufe. Es gilt, ein von der Hütte aus gut sichtbares Band zu finden, das problemlos durch die Felsflanke führt. Mit absoluter Sicherheit trifft Walter dieses Band und später auch den Steinmann, der den Einstieg markiert. Links des Grataufschwungs geht es durch eine Rinne auf den eigentlichen Grat. Dieser ist super zu klettern. Im unteren Teil von einem kurzen Firngrat unterbrochen, bewegt man sich sonst nur in festem, griffigem Fels, in dem das Sichern mit Schlingen oder Keilen immer möglich ist. Es gibt nur einen Haken. Der steckt auf dem Felskopf vor dem letzten Steilaufschwung im oberen Teil und dient zum Abseilen in die Scharte dahinter. (Dieser Turm kann auch mit einem Abstieg durch eine steile Rinne links umgangen werden). Der Grat mündet schließlich in eine Schneeflanke, über die es die letzten Höhenmeter zum Gipfel geht. Nur an wenigen Stellen hat uns der Bergführer richtig nachgesichert, und so sind wir nach 5 Stunden oben und um 13.00 Uhr auf der Tschiervahütte.
Eine wunderschöne Tour bei bestem Wetter, optimale Verhältnisse, fester Fels, die schwersten Stellen im Schwierigkeitsgrad III+, sonst III und auch oft leichter, objektiv sicher.
Der Einstieg liegt versteckt hinter dem von der Hütte aus sichtbaren Gratansatz. Im Dunkeln sehr schwer zu finden! Der reine Grat ist 900 m hoch. Vom Einstieg abgesehen keine Orientierungsprobleme. Ganz wenig begangen.
Eine wunderschöne Tour bei bestem Wetter, optimale Verhältnisse, fester Fels, die schwersten Stellen im Schwierigkeitsgrad III+, sonst III und auch oft leichter, objektiv sicher.
Der Einstieg liegt versteckt hinter dem von der Hütte aus sichtbaren Gratansatz. Im Dunkeln sehr schwer zu finden! Der reine Grat ist 900 m hoch. Vom Einstieg abgesehen keine Orientierungsprobleme. Ganz wenig begangen.
Das war am Biancograt leider nicht der Fall. Die Hütte wurde während des Nachmittags immer voller und war bis zum Abend belegt.
Aspiranten für den Biancograt und den Piz Roseg werden um 3.00 Uhr geweckt, Morteratsch - Besteiger um 4.00 Uhr.
Um 3.45 Uhr starten wir noch mit dem letzten Bissen im Mund von der Hütte. Mit einem ungewöhnlich schnellen Tempo geht es los und ich bin richtig sauer. Was soll die blöde Rennerei in völliger Dunkelheit zum Einstieg, zumal das Gelände teilweise heikel ist? Erst nachher verstand ich den Sinn.
Je später man sich am Gletscher in die Spur einfädelt, desto länger dauert die Tour, denn Überholen ist ab dort nicht mehr möglich. Durch Warten in der Fuorcla Prievlusa und im Felsbereich nach dem Schneegrat dauert die Tour immer länger. Je weiter vorne man ist, desto schneller geht es. Und an diesem wettermäßigen Traum - Tag waren sehr viele Bergsteiger unterwegs. Der Zeitfaktor ist enorm wichtig bei einer solch langen Tour. Denn wir wollten ja noch am gleichen Tag zurück ins Tal zur Station Morteratsch. Nach 1 Stunde ist der Gletscher (im leichten Trab) erreicht. Dort werden die Steigeisen angelegt. Noch ist es stockdunkel, aber sternenklar. Der Gletscher wird immer steiler, von Blankeisstellen unterbrochen. Dort, wo er sich unter der Fuorcla endgültig aufsteilt, quert die Spur in die rechte, steile Flanke mit einer unangenehmen Randkluft - aber wir sind ja nicht am scharfen Ende des Seils....Zuerst steil gerade hoch, dann nach links Richtung Fuorcla. Die Spur ist gut und sicher angelegt und wir kommen ohne Probleme, aber mit höchster Konzentration in die Scharte. Dort erleben wir einen Sonnenaufgang, der mich die Rennerei vergessen läßt! Unglaublich auch der Tiefblick auf den Morteratschgletscher - ein unbeschreiblicher Platz.
Hier beginnt der Felsbereich und damit das Warten. Nach 15 Minuten sind wir - gut ausgeruht - an der Reihe. Gleich zu Anfang wird eine unangenehme Rechtsquerung auf einem abschüssigen,überdachten Band in gebückter Haltung und mit knirschenden Steigeisen überwunden. Danach geht es leichter weiter, mal rechts des Grates, mal links, mal obendrauf.
Einige Haken erleichtern das Sichern. Nach der Hälfte wird der Grat nach links durch eine Rinne in die ostseitige Schneeflanke verlassen und unmittelbar am Felsansatz zum Beginn des eigentlichen Schneegrates angestiegen - Motiv zahlreicher Kalenderbilder. Ein fantastisches Bild: blendend weiß zieht der Grat in den tiefblauen Himmel -
Ein Traum wird wahr! Das Steigen ist reiner Genuss, losgelöst von der Erde, eine Magic Line….
Aspiranten für den Biancograt und den Piz Roseg werden um 3.00 Uhr geweckt, Morteratsch - Besteiger um 4.00 Uhr.
Um 3.45 Uhr starten wir noch mit dem letzten Bissen im Mund von der Hütte. Mit einem ungewöhnlich schnellen Tempo geht es los und ich bin richtig sauer. Was soll die blöde Rennerei in völliger Dunkelheit zum Einstieg, zumal das Gelände teilweise heikel ist? Erst nachher verstand ich den Sinn.
Je später man sich am Gletscher in die Spur einfädelt, desto länger dauert die Tour, denn Überholen ist ab dort nicht mehr möglich. Durch Warten in der Fuorcla Prievlusa und im Felsbereich nach dem Schneegrat dauert die Tour immer länger. Je weiter vorne man ist, desto schneller geht es. Und an diesem wettermäßigen Traum - Tag waren sehr viele Bergsteiger unterwegs. Der Zeitfaktor ist enorm wichtig bei einer solch langen Tour. Denn wir wollten ja noch am gleichen Tag zurück ins Tal zur Station Morteratsch. Nach 1 Stunde ist der Gletscher (im leichten Trab) erreicht. Dort werden die Steigeisen angelegt. Noch ist es stockdunkel, aber sternenklar. Der Gletscher wird immer steiler, von Blankeisstellen unterbrochen. Dort, wo er sich unter der Fuorcla endgültig aufsteilt, quert die Spur in die rechte, steile Flanke mit einer unangenehmen Randkluft - aber wir sind ja nicht am scharfen Ende des Seils....Zuerst steil gerade hoch, dann nach links Richtung Fuorcla. Die Spur ist gut und sicher angelegt und wir kommen ohne Probleme, aber mit höchster Konzentration in die Scharte. Dort erleben wir einen Sonnenaufgang, der mich die Rennerei vergessen läßt! Unglaublich auch der Tiefblick auf den Morteratschgletscher - ein unbeschreiblicher Platz.
Hier beginnt der Felsbereich und damit das Warten. Nach 15 Minuten sind wir - gut ausgeruht - an der Reihe. Gleich zu Anfang wird eine unangenehme Rechtsquerung auf einem abschüssigen,überdachten Band in gebückter Haltung und mit knirschenden Steigeisen überwunden. Danach geht es leichter weiter, mal rechts des Grates, mal links, mal obendrauf.
Einige Haken erleichtern das Sichern. Nach der Hälfte wird der Grat nach links durch eine Rinne in die ostseitige Schneeflanke verlassen und unmittelbar am Felsansatz zum Beginn des eigentlichen Schneegrates angestiegen - Motiv zahlreicher Kalenderbilder. Ein fantastisches Bild: blendend weiß zieht der Grat in den tiefblauen Himmel -
Ein Traum wird wahr! Das Steigen ist reiner Genuss, losgelöst von der Erde, eine Magic Line….
Nach 1,5 Stunden ist das Ende des Firngrates erreicht. Bei einer Zwangspause - wir warten, bis wir dran sind - nehmen wir den nächsten Teil ins Visier. Der Blick auf den folgenden Felsgrat ist atemberaubend: unglaublich schmal und ausgesetzt zieht er zum Hauptgipfel hinüber, mit 2 Türmen versehen und deshalb mit einigen Abseilstellen.
Auch dieser Teil ist mit Haken gut abgesichert. Das ständige Abseilen, Klettern und Sichern erfordert noch mal höchste Konzentration. Auch hier müssen wir ab und zu warten. Aber es gibt so viel zu Schauen......
Besonders pikant ist ein Spreizschritt, den eine Spalte von 1 Meter Breite nötig macht. Außerdem ist das andere Ende einen Meter tiefer. Dazwischen geht es nur noch runter....Ein ganz kurzes Fixseil erleichtert den unangenehmen Schritt ungemein.
Die letzten Meter sind dann noch mal richtig steil, aber gut griffig und wir erreichen dann über ein kurzes horizontales Gratstück um 10.00 Uhr den Gipfel - und auch den Gipfel der Gefühle.....Wir gönnen uns eine kurze Pause.
Nach einem kurzen Abstieg über den Spallagrat sind wir um 11.15 Uhr auf der Marco - et Rosa - Hütte und machen dort noch einmal eine kleine Pause bei einer Minestrone.
Dank der idealen Schneeverhältnisse mußten wir nicht über den Fortezzagrat absteigen, sondern konnten, was seit vielen Jahren nicht mehr möglich war, durch das sog. Buuch zum Morteratschgletscher gelangen.
Um 15.45 Uhr, genau 12 Stunden nach dem Start auf der Hütte, treffen wir an der Station Morteratsch ein und wollen nur noch liegen
Auch dieser Teil ist mit Haken gut abgesichert. Das ständige Abseilen, Klettern und Sichern erfordert noch mal höchste Konzentration. Auch hier müssen wir ab und zu warten. Aber es gibt so viel zu Schauen......
Besonders pikant ist ein Spreizschritt, den eine Spalte von 1 Meter Breite nötig macht. Außerdem ist das andere Ende einen Meter tiefer. Dazwischen geht es nur noch runter....Ein ganz kurzes Fixseil erleichtert den unangenehmen Schritt ungemein.
Die letzten Meter sind dann noch mal richtig steil, aber gut griffig und wir erreichen dann über ein kurzes horizontales Gratstück um 10.00 Uhr den Gipfel - und auch den Gipfel der Gefühle.....Wir gönnen uns eine kurze Pause.
Nach einem kurzen Abstieg über den Spallagrat sind wir um 11.15 Uhr auf der Marco - et Rosa - Hütte und machen dort noch einmal eine kleine Pause bei einer Minestrone.
Dank der idealen Schneeverhältnisse mußten wir nicht über den Fortezzagrat absteigen, sondern konnten, was seit vielen Jahren nicht mehr möglich war, durch das sog. Buuch zum Morteratschgletscher gelangen.
Um 15.45 Uhr, genau 12 Stunden nach dem Start auf der Hütte, treffen wir an der Station Morteratsch ein und wollen nur noch liegen
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