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Bügeleisenkante Piz Gemelli

21. Oktober 2005
Bewertung: voller Bewertungspunkt voller Bewertungspunkt voller Bewertungspunkt leerer Bewertungspunkt leerer Bewertungspunkt
(3 bei 3 Bewertungen)
von: waldbroel
Land: Schweiz
Bügeleisenkante am Piz Gemelli Bondascagruppe Bergell Sommer 2004
Nach unserer Hochtour auf den Piz Roseg hatten wir eine weitere Hochtour mit unseren Führern geplant. Im Gespräch waren z.B. der Hintergrat auf den Ortler, der Monte Disgrazia oder andere kombinierte Touren im Bergell.
Der Wetterbericht verspricht für die nächsten Tage aber kein stabiles Hochdruck - und damit auch kein Hochtourenwetter. Wält schlägt als nächstes Ziel die sogenannte Bügeleisenkante am Piz Gemelli,3200 im Bergell vor. Der untere Teil des Berges hat die Form eines Bügeleisens. Harter, steiler und glatter Granit erfordert Reibungsklettern. Die Schwierigkeiten liegen zwischen IV und V.
Als Vorbereitung darauf verbringen den nächsten Vormittag im Klettergarten und warten auf den aktuellen Wetterbericht.
In Sichtweite der Seilbahn-Talstationen von Lagalb und Diavolezza gibt es am Fuße des Piz Alv einen anspruchsvollen Klettergarten. Auf dem Weg dorthin leihen wir uns in Pontresina Reibungskletterschuhe, sogenannte Kletterfinken, aus.
Im Klettergarten scheuchen uns die beiden Führer eine 30 Meter hohe Platte im V. Schwierigkeitsgrad hoch - mal die rechte und mal die linke Variante. Danach klettern wir sogar eine Mehrseillängenroute mit V-Stellen. Gerade als wir links daneben eine Route im VI. Grad probieren wollen, fängt es an zu regnen.
Deshalb steigen wir auch nicht wie geplant am selben Nachmittag zur Sciorahütte, 2100, dem Ausgangspunkt für die Bügeleisenkante, auf, sondern übernachten noch mal in der Ferienwohnung. Dort starten wir am nächsten Morgen um 4.30 Uhr Richtung Bergell.

Um 6.00 Uhr beginnen wir am Parkplatz Laret unseren Anstieg zur Sciorahütte, die wir eine Stunde und 45 Minuten später erreichen. Das Wetter ist zufrieden stellend, Wolken und Sonne wechseln sich ab. Dazu ist es recht warm. Von der Hütte aus sehen wir eine Seilschaft am Einstieg zur Kante.
Wir machen eine kurze Pause und queren dann in einer Stunde hinüber zum Einstieg. Der Weg dorthin ist schon eine Tour für sich. Wir folgen den spärlichen Steinmännern und steigen über große Blöcke, queren ein steiles Schneefeld und anschließend glatte Platten. Zum Schluß klettern wir noch gesichert auf das abschüssige Band, das zum Einstieg leitet.
Wir tauschen die Bergschuhe mit den Kletterfinken und geben unseren Führern Jacke und Verpflegung. Wir drei müssen keinen Rucksack tragen.
Inzwischen hat es sich zugezogen und es ist kälter geworden. Anneliese klettert mit Wält vor, Christian sichert Walter und mich an zwei Einfachseilen.
Gerade als wir eingestiegen sind und uns an diese besondere Art des Kletterns gewöhnen, fängt es leicht an zu regnen. Wir klettern weiter bis zum 1. Standplatz. Es regnet weiter, wir klettern weiter. Der Fels ist inzwischen nass und unangenehm. Zwischendurch hört es kurz auf zu regnen und wir hoffen auf Wetterbesserung. Aber kurz danach regnet es wieder und jetzt auch stärker. Wir klettern weiter und holen die Seilschaft ein, die wir von der Hütte aus gesehen haben. Sie stehen mit ihrem Bergführer unschlüssig an einem Standplatz und warten auf besseres Wetter - vergebens. Wir klettern weiter und inzwischen ist zum Regen noch starker Wind und Nebel dazugekommen. Später fängt es an zu graupeln.

Wir haben eine Sicht von maximal 10 m. Christian entschwindet unseren Blicken und nur durch die vereinbarten Seilkommandos wissen wir, dass er den Standplatz erreicht hat. Anneliese und Wält sehen wir immer nur am Standplatz..
Kurz vor dem Erreichen des leichteren Geländes im oberen Teil der Kante fällt der Entschluss zur Umkehr. Wir warten lange in Sturm und Regen, nass bis auf die Haut und frierend auf die beiden Führer, die am Standplatz über uns das Abseilen vorbereiten. Unser Standplatz besteht aus einer schmalen Leiste, die wir uns mit drei Personen teilen. Komfortabel ist das nicht…..Gesichert sind wir mit jeweils einer Schlinge an einem großen Ring.
Irgendwann taucht zuerst ein Seil aus dem Nebel auf und kurz danach Christian.
Danach folgen wir unserer Aufstiegsroute durch Abseilen. Wir seilen am Einfachseil ab. Das Seil im Abseilachter sieht aus wie ein nasser Lappen, der ausgedrückt wird. Mit kalten Händen an einem nassen Einzelstrang ist das kein Vergnügen…
Kurz bevor wir wieder den Einstieg erreichen, reisst es auf, die Sonne kommt hervor und es wird schnell wieder warm. Für einen erneuten Versuch ist es jetzt allerdings zu spät. Wir steigen zur Hütte ab und geniessen die Sonne.

 
08.02.2012 21:30:02