Tag 1 Birgsau (944m)- Enzianhütte – Rappenseehütte (2091m)
Rappenköpfe
Hier unten im Tal sahen wir noch die Auswirkungen des Jahrhunderthochwassers des Sommers 2005. Bagger und riesige Schuttberge, zerstörte Brücken und schlammige Wiesen beherrschten das Bild. Mit gemischtem Gefühl parkten wir den Wagen auf den bereits wieder gerichteten Parkplätzen. Hier sollte man unbedingt Kleingeld bei sich haben, da diese Parkplätze gebührenpflichtig sind!
Wir kontrollierten noch mal unsere Rucksäcke, ob auch alles Wichtige dabei war, zogen die Wanderschuhe an, verstauten alles andere im Kofferraum und begaben uns auf den Weg.
Wir wollten es heute noch bis zur Rappenseehütte schaffen. Bis Birgsau (944m) verlief der Weg eben und wir wanderten gemütlich auf das wundervolle Bergpanorama von Trettachspitze, Mädelegabel und wie sie alle heißen zu. Ab dem Pumpwerk begann der Weg steil nach Einödsbach (1114m) anzusteigen. Hier verlassen wir den teils geschotterten und teils geteerten Weg und begeben uns auf einen steilen Bergpfad, dem man den Regen der vergangen Tage noch ansah. Einerseits war er total ausgewaschen, andererseits nass und schlammig.
So ging es steil bergan, bis wir endlich den Wald verließen und auf die Petersalpe (1296m) gelangten. Hier machten wir erst einmal eine Kurze Rast. Im Sommer ist diese Hütte auch bewirtet.
Nebel bei der Rappenseehütte
Die Enzianhütte (1780m) erreichten wir etwa gegen 13 Uhr und legten hier erst einmal eine größere Rast ein. Inzwischen war es draußen bedeckt und der Himmel begann sich zuzuziehen. In unserem Blickfeld vor uns konnten wir schon deutlich den kleinen Rappenkopf und den Hochrappenkopf sehen, an dessen Fuß die Rappenseehütte (2091m) liegt.
Der weitere Teil des Anstieges querte zunächst nach links unterhalb des Heubaums und war recht eben. Es ging über mehrere Bäche, an denen der Weg teilweise weggespült war, vorbei an Altschneefeldern (Nordseite) Richtung Seebichl. Hier beginnt der Weg steil und verdammt anstrengend zu werden. Auch das Wetter wurde immer schlechter. Der erste Nebel drückte in den Berg und wurde immer dichter, so dass wir froh waren die Hütte bald erreicht zu haben, die normalerweise wunderschön am kleinen Rappensee liegt. Ab und zu ließ der Nebel einen Blick auf umliegende Gipfel zu, begann aber bald undurchdringbar zu werden, so dass wir leider nicht in den Genuss kamen einen Sonnenuntergang über dem großen Rappensee, der etwas entfernt der Hütte liegt, zu sehen.
Aber auch im dichtesten Nebel hat die Landschaft ihren Reiz, da überall kleinere Seen, deren Ufer mit Wollgrasbewachsen sind, an Schottland oder nordische Landschaften erinnern.
Nach reichhaltigem Abendessen sanken wir müde in unsere Bettenlager, kamen aber kaum zum Schlafen, da es in den Zimmern sehr warm und stickig war.
Tag 2 Heilbronner Höhenweg
Um 6:00 Uhr klingelte der Wecker und um halb sieben waren wir startklar. Wir hatten ausgemacht erst auf dem Gipfel des Hohen Lichts zu frühstücken.
Der Blick aus dem Fenster war viel versprechend: Linkerskopf, Rotgundspitze und Rappenköpfe waren frei! Auch als wir aus der Hütte in die kühle Morgenfrische traten war das Panorama um uns herum frei sichtbar: Schafalpenköpfe und Widderstein.
Nach ein paar Fotos von der Morgenstimmung und den bereits rot angehauchten Gipfeln im Kleinwalsertal verließen wir die Hütte gegen 7:00 Uhr. Von weiter oben, von der großen Steinscharte aus, sahen wir heute auch wunderschön den großen und den kleinen Rappensee. Wir verließen allmählich die grünen Almwiesen und die Landschaft um uns herum wurde karger und felsig. Zum Beginn des Heilbronner Weg ging es mächtig bergan, auf rutschigem Geröll. Bald gelangten wir auch an das erste Stahlseil, hier beginnt der eigentliche Heilbronner Höhenweg auf dem „Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und alpine Erfahrung“ laut Hinweistafel notwendig ist. Hier musste man bereits die Hände zu Hilfe nehmen und etwas klettern, bis man den Abzweig erreicht, an dem es rechts zum Gipfel des Hohen Lichts und links weiter auf dem Heilbronner weg geht. Das Hohe Licht ist ein lohnender Abstecher von insgesamt etwa einer Stunde, den man auf jeden Fall machen sollte.
Hohes Licht 2651m
Nach dem obligatorischen Gipfelfoto war es Zeit für unser Frühstück: Wir packen Äpfel, Milchpulver und Müsli aus und ließen uns am Gipfelkreuz nieder.
Kaum fertig mit dem Frühstück, wir glaubten es kaum, waren wir plötzlich in tiefen Nebel gehüllt, der aus dem Stillachtal heraufzog. Da es verdammt kalt wurde und man grade mal gar nichts mehr sah, begannen wir mit dem Weiterweg, der zunächst bis zum Abzweig zurückführt. Trotz des Nebels entschlossen wir uns dazu, der Karawane, die bereits am Heilbronner Weg unterwegs war, zu folgen.
Auch wir standen zunächst kopfschüttelnd davor und sahen irgendwo in der Wand die roten Markierungen und fragten uns wo da ein Weg sein sollte.
Etwa eine Stunde beträgt die Kletterei ab der Scharte bis zum Gipfel. Man steigt zunächst am Bergaufschwung empor und quert dann unterhalb eines kleinen Grades direkt in die Südseite des Berges, an der man entlang von waagrechten Terrassen fast senkrecht nach oben steigt. Kurz vor dem Gipfel muss man noch eine glatte, leicht ausgesetzte Felsplatte und einen kurzen schmalen Grad überwinden.
Wir waren die ersten an diesem Morgen hier oben und hatten unsere Ruhe um die Bergeinsamkeit zu genießen und alles in uns aufzunehmen!
Auch von hier schweift der Blick weit über die Alpen und auch hier kommt plötzlich dicker Nebel rein gezogen, der sich zum Glück aber nach 10 Minuten gänzlich aufgelöst hat.
Nach dem Frühstück und dem Gipfelfoto machten wir uns wieder auf den Abstieg, auf dem uns jede Menge Wanderer entgegen kamen.
Der weg geht jetzt mehr oder weniger anstrengend auf und ab, vorbei am Mittelabstieg (2579m) zum Waltenberger Haus, über den Bockkarkopf (2609m) Richtung Schwarzmilzferner (2504m). Und hier schauten wir zurück: Der Nebel hatte sich gelichtet und man sah den ganzen Grad, den wir eben im dichten Nebel entlang gewandert sind. Wir machten erst einmal eine Rast und warteten darauf, dass sich der Nebel komplett verzieht, damit wir den Abstecher zur Mädelegabel noch mitnehmen konnten. Wir hatten Glück: Es wurde immer schöner!
Es ging nun über den Schwarzmilzferner in einer sehr nassen, getretenen Spur Richtung Mädelegabel.
auf der Mädelegabel
Auch hier wieder folgte das obligatorische Gipfelfoto und wir blieben lange sitzen und genossen die Aussicht.
Von dem Punkt an fällt der Weg nur noch ab und führt unterhalb des Kratzers über das Untere Mädelejoch hinab zur Kemptener Hütte (1844m).
Auf diesem Stück kam dann auch wieder starker Nebel rein gezogen, der sich bis zum Abend nicht mehr lichtete.
Auf dem Weiterweg zur Kemptener Hütte trafen wir nach ein paar Metern auf eine ganze Herde von Steinböcken und Gämsen, die sich direkt neben dem Weg sonnten und uns bis auf wenige Meter heran ließen. Wir hatten noch nie zuvor Steinböcke in freier Wildbahn und dann noch so nah gesehen. Das war ein ganz besonderes Erlebnis.
Nach etwa neun Stunden Gehzeit erreichten wir völlig erschöpft die Hütte.
Steinböcke am Wegesrand
3. Tag Großer Krottenkopf und DW
Krottenkopfscharte am Morgen
Wieder hieß es nach einer schlaflosen Nacht um 6:00 Uhr aufstehen. Heute stand der Höchste Gipfel des Allgäu im Programm, der Große Krottenkopf auf 2656m! Glücklicherweise konnten wir sämtliches Gepäck auf der Hütte lassen und uns mit einem Tagesrucksack begnügen. Das Frühstück wollten wir abermals am Gipfel zu uns nehmen, so dass wir um kurz vor Sieben die Hütte verließen.
Über die Obere Mädelealpe geht es gleich zu Beginn steil bergauf zum Oberen Mädelejoch (2033m), anschließend wieder etwas bergab und dann wieder bergan zur Krottenkopfscharte auf 2350 m. Dieser Abschnitt ist sehr anstrengend und fordert gute Kondition, da es scheinbar in endlosen Kurven über ein sehr steiles Geröllfeld berghoch geht. Aber wenn man erstmal die Scharte erreicht hat, blickt man der aufgehenden Sonne entgegen. Wieder ist keine Wolke am Himmel zu sehen und wir bereiten uns auf den Gipfelanstieg vor. Zunächst geht es auch hier über viel Geröll steil bergauf, bis die Felsflanke des Krottenkopf beginnt, über die man, wieder unter zu Hilfenahme der Hände, Richtung Gipfel empor steigt. Dieser Weg sollte allerdings wirklich nur begangen werden wenn man über absolute Trittsicherheit und Erfahrung verfügt, da man sich den Weg mehr oder weniger selber suchen muss und immer nach geeigneten Griffen und Tritten im Fels Ausschau halten muss.
Auch wir standen zunächst kopfschüttelnd davor und sahen irgendwo in der Wand die roten Markierungen und fragten uns wo da ein Weg sein sollte.
Etwa eine Stunde beträgt die Kletterei ab der Scharte bis zum Gipfel. Man steigt zunächst am Bergaufschwung empor und quert dann unterhalb eines kleinen Grades direkt in die Südseite des Berges, an der man entlang von waagrechten Terrassen fast senkrecht nach oben steigt. Kurz vor dem Gipfel muss man noch eine glatte, leicht ausgesetzte Felsplatte und einen kurzen schmalen Grad überwinden.
Wir waren die ersten an diesem Morgen hier oben und hatten unsere Ruhe um die Bergeinsamkeit zu genießen und alles in uns aufzunehmen!
Auch von hier schweift der Blick weit über die Alpen und auch hier kommt plötzlich dicker Nebel rein gezogen, der sich zum Glück aber nach 10 Minuten gänzlich aufgelöst hat.
Nach dem Frühstück und dem Gipfelfoto machten wir uns wieder auf den Abstieg, auf dem uns jede Menge Wanderer entgegen kamen.
Hermannskarsee und Krottenkopf
So stiegen wir also die Scharte auf der anderen Seite hinab und querten an der Ostseite des Krottenkopfes zum Hermannskarsee. Von hier an ging der Weg leicht ansteigend zur Schafscharte, von der wir den weiteren Weg überblicken konnten. Durch die Scharte ging es wieder etwas steiler über Geröll hoch und runter und ging danach weiterhin gemütlich bis zum Düsseldorfer Weg, den wir nach links Richtung Marchscharte einschlugen und der bis dorthin ebenfalls sanft bergan führt. Immer wieder bleiben wir kurz stehen um das wundervolle Panorama aufzunehmen und sind dann schließlich trotzdem heilfroh endlich auf der Scharte zu stehen, da sich der Weg ab dem See doch ganz schön in die Länge gezogen hat.
Marchscharte
Hier wandert man durch ein wunderschönes Quellgebiet und steigt über bunte Wiesen auf einen weiteren Kamm an.
Auch von diesem Kamm geht es wieder etwas bergab, vorbei an einer ganzen Gruppe Gämsen mit Jungen zu den Krottenspitzen und dem endlich letzten Anstieg, der Fürschießersattel. Von hier sind es noch gut 90 Minuten bis zur Hütte, die wir schon ganz klein am gegenüberliegenden Berghang sehen können.
Nach guten 10,5 Stunden erreichen wir diese dann auch endlich. Das war mit Abstand die anstrengendste und von der Aussicht her schönste Tour.
4. Tag Kemptener Hütte (1844m) – Spielmannsau (1004m)
Blick zurück (Spielmannsau)
Durch die enge Schlucht der Sperrbachtobel und der oberen Schneeflucht geht es nach Spielmannsau, und zwar auf einem sehr gefährlichen glitschigen Weg, immer wieder unter kleineren Wasserfällen hindurch, über der Schlucht mir den riesigen Altschneefeldern darinnen.
Wiederum bei herrlichstem Wetter legen wir auch den endlosen Schlauch durch das Trettachtal nach Oberstdorf und zur Nebelhornbahn zurück.
Jetzt heißt es nur noch nach Hause kommen! Wir hatten 4 herrliche Tage im Allgäu und kehren am Abend total erschöpft nach Fulda zurück!
Login
Seite versenden
Seite drucken
Sitemap