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Rund um den Gardasee

23. November 2005
Bewertung: voller Bewertungspunkt voller Bewertungspunkt voller Bewertungspunkt leerer Bewertungspunkt leerer Bewertungspunkt
(3.2 bei 6 Bewertungen)
von: Martin L.
Land: Italien
3 Tagestouren aus einer Woche Gardasee

Galerie di Guerra

Biacesa
Biacesa
Es war recht frisch und feucht. Als wir den Parkplatz in Biacesa um etwa 8:00 Uhr erreichten.
Der Weg 417 beginnt am nord-östlichen Ortsausgang von Biacesa im Val di Ledro und steigt auf einem alten gepflasterten Pfad steil durch den Wald bergan, so dass wir schon bald durchgeschwitzt waren. Es ist die erste Alpintour für uns im Jahr 2005! Wir folgten dem Weg 417 bis wir rechts den 460 bis zur Kapelle S. Giovanni abbogen. Hier verlief der Weg etwas flacher und an der Kapelle konnten wir uns auch erst einmal kurz ausruhen. Der Blick schweift hier nach Süden auf den Gipfel des Cima Bal, der uns ein bisschen an China erinnert.

Galerie de Guerra
Galerie de Guerra
Hier steht die Galerie de Guerra, bei der es sich um Bunker und Stollenanlagen der Kaiserlich-Österreichischen Armee aus dem ersten Weltkrieg handelt. Direkt hinter der Kapelle zweigt der Weg nach links ab und steigt auf einem schmalen Pfädchen zum Eingang des ersten Stollens an. Wir kramten die Taschenlampen, die bei der Tour unbedingt zur Standartausrüstung gehören sollten, da es in den Bunkern sehr dunkel ist, aus den Rucksäcken hervor. In den Gängen liegen teilweise größere Stolpersteine im Weg und einige stellen sind niedriger, so dass wir uns trotz der Lampen mehrmals die Köpfe anschlugen. Den ersten Stollen verließen wir über eine Eisenleiter nach oben heraus. Ein steiler rutschiger Pfad, der durch ein paar Drahtseile gesichert war, führte uns zum Eingang des nächsten Stollens. Diesen durchquerten wir ebenfalls ohne Mühe und stiegen danach auf einem weiteren Steig bergan zum dritten Stollen.

in den Stollen
in den Stollen
Die Sonne strahlte bereits über unseren Köpfen und bevor wir den Schützengräben weiterfolgten um wieder im Berg zu verschwinden, genossen wir den Blick auf den Lago di Garda, der herrlich ruhig zu unseren Füßen lag. Die dritte Stollenanlage war die längste und auch interessanteste, da hier nicht nur aus dem Berg herausgehauen wurde, sondern auch verschiedene betonierte Schutzräume und ähnliches in dem verwinkelten System angelegt worden waren. Der Weiterweg verlief nahezu eben im Wald in einem alten Schützengraben und wir gelangten bald auf einen ausgehauenen Weg auf dem Gipfelgrat, von dem man wunderbar nach Riva del Garda und in die Sarco-Ebene nach Arco blickte.

Blick ins Tal
Blick ins Tal
Dem Weg folgend gelangten wir zur Grotta Daei, wo wir erst einmal unsere Mittagsrast einlegten. Von dort windet sich der Weg in ein paar Kurven auf ein Plateau mit herrlicher Aussicht und wir haben die Baumgrenze überschritten. Der Weg führte uns nun über bunte Wiesen mit Enzian und anderen Blumen zum Gipfel der Rochetta Giochelle (1519m) Es fing an zu regnen, so dass uns keine Zeit blieb hier länger zu bleiben. Ein schmaler, sehr rutschiger und schlecht markierter Pfad führte uns weiter bis zur Bocca Giumella. An der Stelle, wo der im Wald noch sichtbare Pfad wieder auf die Almwiesen tritt muss man sich links halten und am besten den Schützengräben folgen.

Rochetta
Rochetta
Die Markierung ist hier kaum zu finden, so dass wir lange den Weg suchen mussten. Abermals führte uns dien Pfadspur über bunte Almwiesen mit Glotzblumen, Berglilien, Eisenhut und vielen anderen Blumen hinab zur Bocca Giumella (1408m), an der wir links dem Weg ins Tal folgen, zunächst noch auf der Markierung 451 und später dann rechts davon einem blauen Balken folgend in einem steinigen, flussbettartigen Graben, der irgendwann nach endlosem Gestolper zum gepflasterten Weg wird und an einer Kapelle vorbeikommt, nach Biacesa. Inzwischen ist auch die Sonne wieder gekommen und fängt an uns zu trocknen.

Bocca di Brenta (2552m)

Blick durch die Wolken
Blick durch die Wolken
Von Molveno (868m) führt diese Tour, für die man unbedingt gute Kondition und vor allem Ausdauer benötigt, auf die Bocca di Brenta (2552m) und zurück nach Molveno.
Das Auto habe ich in Molveno in der Nähe von dem Campingplatz „Spiaggia“ abgestellt und wegen regnerischen Wetters die Tour erst um 9:00 Uhr begonnen. Zu Beginn begleitete mich leichter Nieselregen und die Brenta hüllte sich in dunkle Wolken, so dass ich mir nicht sicher war, ob ich die komplette Tour überhaupt durchführen könne.
Gleich nach der Überquerung der Straße am südlichen Ortsausgang steigt der Weg (332, dann 326) steil durch den Wald an wo er bald auf einen breiten Forstweg mündet. Diesen verlässt man aber zum Glück nach einer Weile wieder und folgt der Markierung 326 nach links auf einen kleinen Waldpfad, der sehr steil nach oben führt. Auf dem nassen Laub und Schlamm rutsche ich öfter aus, was den Aufstieg noch mühsamer macht.

einfallender Nebel
einfallender Nebel
Aber irgendwann lichtet sich der Wald und ich schaue auf der Karte nach, wo ich mich befinde. Ich habe schon viele Höhenmeter bewältigt und befinde mich bereits auf 1400m. Der Weg führt ab hier dann über grüne Almwiesen mit vielen bunten Blumen darauf und ich kann mich ein wenig vom Anstieg erholen. Allerdings ist das Graß nass und hoch, so dass ich bald nasse Füße habe. Der leichte Regen hatte inzwischen aber zum Glück aufgehört und es sah jetzt teilweise so aus, als ob die Wolken aufbrechen würden.
Hinter der Ex M.ga Ceda alta wird es wieder steil. Man muss zwei Felsstufen über einen rutschigen und extrem steilen Pfad überwinden, wo ich stellenweise sogar die Hände zur Hilfe benötige. Hier begegnet mir auch der erste von ganzen zwei Wanderern an diesem Tag. Über mehrere kleine Kuppen windet sich der Weg im zunehmend immer felsiger werdenden Gelände dem Passo di Ceda auf 2223m zu. Einige größere Altschneefelder und dicht reinziehender Nebel machen die Orientierung immer schwieriger auf dem jetzt nur noch aus Fels und Geröll bestehendem Gelände. Aber für einen kurzen Moment wird der Blick frei auf ein eindrucksvolles Amphitheater: zur Linken die Gipfel von Cima Ceda, Orientale und Cima Ceda bassa, vor mir Cima Tosa, Cima Brenta bassa und Cima Brenta alta und rechts der Monte Daino. Im Tal erblicke ich auch kurz den Lago di Molveno, auf den ein Sonnenstrahl aus der Wolkenwand fällt. Aber gleich ziehen Nebel und Wolken wieder rein.

Torre di Brenta
Torre di Brenta
Dennoch treibt mich der eiserne Wille weiter bis zum Abzweig am Orientale (2414m). Die Sicht wird besser und am Gegenüberliegenden Berghang erkenne ich das Rifugio Tommaso Pedrotti. Der Weg (320) führ nach rechts erst einmal wieder ca. 100 Höhenmeter über rutschiges Geröll nach unten und steigt dann entlang einer Felswand über mehrere Schneefelder. Die ebenfalls sehr glatt sind, wieder an. Um den Kessel Pozza Tramontana führt der Weg unterhalb der Cima Brenta bassa über eine Felskante zum Rifugio Tommaso Pedrotti (2491m). leider hat die Hütte um diese Jahreszeit noch geschlossen.
Ich wende mich nach links und gehe noch ein paar Meter wieder, um zur Bocca di Brenta(2552m) zu gelangen. Hinter der Scharte ist es unmöglich den Weg weiter zu gehen, da ein riesiges Schneefeld den pass bedeckt.

Adamello Presanella
Adamello Presanella
Leider hüllen sich die Torre di brenta und der Campanil Basso in Wolken, aber unter den schwarzen Wolken hindurch ist der Blick frei auf die Gruppo Della Presanella (Adamello), deren Gletscher in der Sonne leuchten.
Wie aus heiterem Himmel fängt es hier kurz leicht an zu schneien. Ich begebe mich also zurück zum rifugio und steige nach links zur ausgewiesenen Winterhütte Rifugio Tosa (2439m) ab. Diese Seite war komplett wolkenfrei, so dass ich freien Blick auf die Rückseite vom Campanil Basso, Campanil Alto und die Spitzen der Torre hatte. Je weiter ich ins Tal abstieg, desto mehr kam die Sonne hervor und die Berggipfel wurden frei.

Gruppo di Brenta
Gruppo di Brenta
Zunächst führte mich der Weg noch steil über ein paar Felsen herab, bevor er eben entlang eines Gebirgsbaches über Wiesen verlief, um dann in endlosen Serpentinen zum Rifugio Selvata (1657m) abzusteigen.
Von dort gibt es zwei Möglichkeiten nach Molveno zu kommen: Die erste führt laut Karte über einen kleinen Steig (332) nach rechts ab und die zweite direkt links an der Hütte geradeaus ins Tal. Da mir wegen des rutschigen Untergrundes der Steig zu gefährlich erschien, nahm ich die zweite Variante und folgte der Markierung 319. Abermals ging es in unendlichen Kurven im Wald bergab und als ich endlich auf den Forstweg im Pian di Maroccaz kam, strahlte die Sonne hinter mir über der Brenta und keine Wolke war mehr zu sehen. Cima roma, Cima Sella und Spallone di Massodi ragten beeindruckend in den Himmel.

Lago di Molveno
Lago di Molveno
Die letzte Stunde Richtung Molveno auf dem mörderisch langen Fahrweg war einfach nur ätzend und ich war heilfroh als ich todmüde und schlapp das Auto nach 9 Stunden und guten 1750 Höhenmeter hoch und ebenso vielen wieder runter, wieder sah.
Auf der Rückfahrt genoss ich noch mal den Blick über den See zur Gruppo di Brenta, die jetzt im schönsten Sonnenlicht erstrahlte.

Alta Via del Monte Baldo

Monte Altissimo
Monte Altissimo
Der sonnigste und schönste Tag unseres Gardaseeurlaubes führte uns auf die Bergkette des Monte Baldo. Mit dem Auto fuhren wir bis Bocca di Navene (1500m) und parkten dort auf dem kleinen Wanderparkplatz unterhalb des Cime di Ventrar (1751), auf den wir sogleich hinaufstiegen. Die ersten sehr steilen Höhenmeter waren bezwungen und die Aussicht auf den Gardasee atemberaubend! Der Weg verlief eben über sanfte Wiesen, die vor lauter Glotzblumen gelb leuchteten über den Monte Grande (1783m) zur Bergstation der Seilbahn von Malcesine.

Blick auf Riva del Garda
Blick auf Riva del Garda
Immer auf dem Gipfelkamm bleibend und dem kalten wind, den wir überhaupt nicht erwartet hatten (deshalb froren wir ganz schön in unseren kurzen Shorts) ging es Richtung Süden. Verschiedene Enzianarten und andere bunte Blumen begleiteten uns, und über allem begeisterte das herrliche Panorama, welches bis in die Dolomiten, die Brenta, Ortler und die Ebene von Verona reichte. Am deutlichsten war der weiße Gipfel des Ortler auszumachen und die Gruppo di Brenta.

Pozzette
Pozzette
Bei dieser herrlichen Sicht verlief der Weg auf und ab über den Cima delle Pozzette (2132m), über den Cima del Longino (2179m) und am Cima di Valdritta (2211m) vorbei. Dabei wurde der Charakter des Weges, der anfangs ein einfacher Spazierweb war immer anspruchsvoller. Wir mussten bald über rutschiges Geröll, über kleine Latschekiefern mit ihren glatten Wurzeln und über Felsplatten, die mit Drahtseilen abgesichert waren, bis dann der Weg direkt an der senkrechten Felswand auf einem Absatz entlang verlief. Hinter dem Abzweig zum Gipfel des Valdritta bogen wir links ab und liefen über ein großes Geröllfeld durch die Kar der Valdritta dem Tal entgegen. Leider gaben hier die Batterien der Kamera ihren geist auf, so dass wir die Gruppe Gämsen, auf die wir trafen nicht ablichten konnten.

Enzian
Enzian
Der Weg schien endlos und er stieg immer tiefer ins Tal hinab, so dass wir das Gefühl hatten bald in Malcesine zu sein. Nach schier endlosem Bergab wurde es eben und wir hatten den tiefsten Punkt der Tour am Dosso Castione (1261m) erreicht. Auf dem Weg Nummer 5 gingen wir rechts weiter und schon bald zweigt ein grob gepflasterter Weg mit der Nummer 2 steil nach recht ab und führt in tausenden von Kurven sehr steil bergauf. Als wir endlich aus dem Wald austraten waren wir froh, die Seilbahn vor uns zu sehen und wir wussten, dass wir wieder auf 1720m aufgestiegen waren und der Rest des Weges nun angenehmer wurde. An der Station wurden erst einmal 2 Batterien gekauft, da die Sicht auf See und Panorama immer schöner wurde.
Nach einer anstrengenden Tour, kehrten wir schlapp zum Auto zurück.

 
08.02.2012 21:30:02