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Corsica

25. November 2005
Bewertung: voller Bewertungspunkt voller Bewertungspunkt halber Bewertungspunkt leerer Bewertungspunkt leerer Bewertungspunkt
(2.5 bei 2 Bewertungen)
von: Martin L.
Land: Frankreich
vom GR 20 nach Porto
5 unserer Touren aus 14 Tagen

Cirque de Bonifatu 28.7.2005

Caruzzo Hütte
Caruzzo Hütte
Bereits am Vortag sind wir auf dem ersten Teilstück des Fernwanderweges „Tra Mare e Monti" von Calenzana zur Auberge de Bonifatu gewandert und hatten dort unser Zelt aufgeschlagen.

An diesem Morgen hieß unser Ziel Refuge de Caruzzo am GR 20, welche wir als Tagestour mit Endziel Bonifatu auf uns nehmen wollten, da wir bereits entschieden hatten auf Grund zu viel Gepäcks und der großen Hitze bei 35 Grad den GR 20 auf nächstes Jahr zu verschieben.

So Früh wie möglich, also um 7 Uhr mit den ersten Sonnenstrahlen, brachen wir auf.

Wir folgen zuerst einem breiten, geschotterten Forstweg, der oberhalb des Figarella-Baches durch den Wald von Bonifatu führt. Es ist noch früh aber trotzdem, schon erstaunliche 26 Grad warm. Der Weg führt eben dahin.

Nach etwa einer halben Stunde gelangen wir an eine Kreuzung, wo es rechts ab Richtung Caruzzo-Hütte geht. Jetzt beginnt der Weg etwas anspruchsvoller zu werden, es wird steil und steinig. So schlängelt sich der schmale Pfad bergan, zunächst etwas steiler, dann aber wieder gemächlich, so dass wir noch nicht allzu sehr ins Schwitzen geraten. Schon bald nähert sich der Weg dem Bach an, den wir über eine Hängebrücke überqueren. Kurz darauf wird der Weg extrem steil. In vielen Kurven führt der Weg durch den trockenen Wald und er kommt uns endlos vor.

Hängebrücke
Hängebrücke
Etwa eine viertel Stunde unterhalb der Hütte kommen wir an einer Quelle vorbei, an der wir erst einmal unseren Durst stillen. Das frische und klare Bergwasser schmeckt herrlich und ist wunderbar kalt, was man von der Luft um uns herum bei über 30 Grad nicht behaupten kann.
Kurz nach der Quelle gelangen wir an eine Kreuzung, von wo wir links erst einmal die paar Meter bis zur Refuge gehen um zu schauen, wie es dort wohl aussieht. Von der Terrasse der Hütte überblickt man das wunderschöne Fagarella-Tal.
Jetzt wollen wir allerdings zum nahe gelegenen Highlight des Tages gehen. Etwa 20 Minuten von der Hütte entfernt führt eine frei schwebende Hängebrücke in 20 Metern Höhe über die Spasimataschlucht.

Spasimata
Spasimata
Dazu gehen wir bis zur Kreuzung zurück und folgen dem GR 20 in die andere Richtung. Ein Hinweisschild bei der Brücke macht uns darauf aufmerksam, dass nur maximal zwei Personen gleichzeitig über die Brücke gehen dürfen.
Da die Hitze zum wandern für uns unerträglich scheint, machen wir eine große Rast im Schatten der Felsen unterhalb der Brücke, bereiten uns im mitgenommenen Spirituskocher unser Mittagessen und erfrischen uns an den Badegumpen des Spasimata.
Der Rückweg erfolgt auf dem gleichen Weg. Jede Menge Spätaufsteher kommen uns am frühen Nachmittag noch entgegen.
Der Abstieg zog sich allerdings ganz schön in die Länge und wir waren froh, den Zeltplatz bald erreicht zu haben.

La Restonica GR20 2.8.2005

Hiking Trail
Hiking Trail
Nachdem wir mit dem Bus von unserem „Lager“ in Corte zur Bergerie de Grotelle gekommen sind beginnt der Aufstieg zu Korsikas schönsten Bergseen.
Zunächst führt uns der Weg entlang des wunderschönen, kristallklaren Restonica-Baches. Es ist kaum Steigung vorhanden und sehr angenehm zu laufen. Bald aber gelangen wir an eine Abzweigung wo sich der so genannte „Sportive Way“ vom Normalweg trennt. Da wir natürlich sehr „sportive“ sind, folgen wir dem rechten Weg, der in der Karte als Steig markiert ist. Tatsächlich muss man hier bald ein bisschen Klettern, an Ketten und zwei Eisentreppen über eine Felskante steigen. Eigentlich auch kein Problem für Normalleute, da der Weg wirklich sehr gut ausgebaut ist und das Kletterstück maximal 100 Meter beträgt.

Lac de Melo
Lac de Melo
Direkt nach der „Kletterpartie“ geht der Weg am Ufer des Melosee (1711m) entlang. Von hier hat man schon einen atemberaubenden Blick auf den Lombarduccio und die Punta alle Porta, mit der gesamten Felsengruppe die sich um den höher gelegenen Capitellosee schließt.
Der Aufstieg zum Lac de Capitellu ist extrem steil und führt über rutschigen Fels und Geröll, so dass man sehr aufpassen muss, nicht wegzurutschen. Für die 200 Höhenmeter zwischen Melo und Capitello brauchen wir daher eine gute dreiviertel Stunde!

Aufstieg zum Capitello
Aufstieg zum Capitello
Den Ruf als schönsten Bergsees der Insel verdient der 1930m hoch gelegene und 41 m tiefe Capitello zu Recht. Das Wasser gleicht einem Tintenfass. Die steilen, senkrechten Felsen spiegeln sich im dunklen Wasser. An der linken Seite führt der Weg halb um den See herum, um dann durch eine sehr steile, enge und geröllhaltige Scharte zum GR auf 2100 m anzusteigen. Wir folgen dem Grad nach links, nachdem wir vorher einen kurzen Abstecher zur Breche de Capitello gemacht haben. Von hier oben hat man den schönsten Blick über beide Bergseen und das umliegende Gebirge.

Lac de Capitello und  Melo
Lac de Capitello und Melo
Auf dem Grat geht es weiter zur Bocca s Soglia (2051m). Von hier geht es wieder bergab direkt auf den Melosee zu, abwechselnd über grüne Wiesen und raue Felsplatten. Vom Melosee folgen wir dem Normalweg, der ebenfalls sehr steil und rutschig ist, zurück bis zur Bergerie de Grotelle.

Les Calanche des Piana 4.8.2005

La Châtaigneraie
La Châtaigneraie
In der zweiten Woche auf Korsika schlugen wir unser Zelt an der Westküste am Golf von Porto auf. Der geeignete Ort für unsere nächsten beiden Touren dafür schien uns Piana zu sein.
Von der Gite d’Etape im Ortszentrum gingen wir um 7:00 Uhr an der Straße entlang, die nach Porto führt. Früh morgens ist hier noch kein Auto unterwegs und man kann sich gemütlich warm laufen. Nach etwa 5 Kilometern steigen rechts und links von uns die bizarren Felsen auf, die Strasse wird enger und windet sich nun in vielen kurven an den Felsen entlang. Auf der linken Seite sehen wir schon Bald das „Herz der versteinerten Liebenden“ Le Coeur, bevor wir an verschiedenen bizarren Skulpturen weiter bis Les Roches Bleues gehen. Hier beginnt die eigentliche Tour, die noch mal in vier Einzelteile aufgeteilt ist.

l'Aigle
l'Aigle
Der erste Abschnitt ist das so genannte La Châtaigneraie (Kastanienwäldchen). Kurz vor dem Kiosk zweigt rechts ein steiler Pfad ab und fährt uns durch einen lichten Wald hinauf bis zu einer weiteren Wegzweigung, an der wir wiederum links gehen. Gleich darauf gelangen wir auch schon an das Kastanienwäldchen mit einer Felsengruppe. Diese wird von uns natürlich erst einmal genau inspiziert und wir klettern ein bisschen darauf herum, um von oben die wunderbare Sicht auf den Golf von Porto zu genießen. Felsbögen und viele detaillierte Auswaschungen lassend er Phantasie freien Lauf. Durch ein Felsentor kann man nach Piana sehen. Von hier aus folgen wir dem Wegweiser zu der Quelle Oliva Bona, Wo der Weg in einen dichten Wald führt. In endlosen Serpentinen geht es bergab, wobei der rote Punkt, mit dem der Pfad markiert sein sollte, selten zu finden ist und da immer wieder rechts und links Pfade abführen, haben wir uns erst einmal kräftig verlaufen. Ich dachte schon dass wir nie wieder den richtigen Weg finden würden aber Gott sei Dank trafen wir nach einer halben Stunde wieder auf den roten Punkt. Wir waren ganz weit abseits des eigentlichen Weges in einem Bachlauf abgestiegen, der anfangs wie der eigentliche Weg aussah. Man braucht nicht zu erwähnen wie erleichtert wir waren als wir später aus dem Wald auf die Fahrstraße traten.
Diese folgten wir nun in westliche Richtung bis zum Tête du Chien (Hundekopf).

Steinmännchen
Steinmännchen
Hier beginnt der zweite Abschnitt: Le Château Fort. Durch ein kleines Felsenlabyrinth geht’s es zunächst zum so genannten Adler, einem großen, einzeln stehenden, roten Felsen. Von hier führt der Weg etwas bergab bis zu einem Hochplateau, auf dem tausende von skurrilen Steinmännchen stehen. Zwischen diesen halten wir Mittagspause und betrachten den herrlichen Golf von Porto unter uns, wo die Brandung mit aller Wucht an die Felsen peitscht. Zum Glück befinden wir uns 332m darüber.

Chateau Fort
Chateau Fort
Auf dem gleichen Weg geht es zurück zur Straße. Diese überqueren wir und beginnen den dritten Abschnitt der Tour, den Corniche-Weg. Abermals müssen wir hunderte von Kurven steil bergan gehen. Oben dann gelangen wir auf ein Hochplateau mit herrlicher Aussicht. Der Weg führt genauso steil wieder bergab nach Les Roches Bleue.

Golf von Porto
Golf von Porto
Von dort gehen wir entlang der Straße bis zum Oratorium Sancta Maria, einer kleinen Mariengrotte am Straßenrand. Dahinter beginnt der vierte und schönste Teil des Weges, der Chemin de Muletiers (Maultierweg). Dieser alte Maultierpfad ist gepflastert und führt bequem wieder die Felsen herauf über einen kleinen Pass Das Auge wird hier von bizarren Skulpturen angezogen, die rechts und links des Weges von den Felsen gebildet werden, die aus einem Märchen entstiegen scheinen, in dem Menschen und Tiere als ewige Strafe in Stein verwandelt wurden.

Chemin de Muletiers
Chemin de Muletiers
Bei wunderschönem Sonnenschein wird dieser weg zu einer Wahre Freude und wir empfinden großen Respekt vor der Vielfalt der Natur und der Einzigartigkeit dieser Landschaft. Man kommt sich teilweise vor wie in den Canyonlands oder Monument Valley in Amerika. Der gut ausgebaute Weg führt entlang immer neuer Felsgebilde hinab zum Sportplatz von Piana, von wo man entlang der Straße wieder zum Ort zurückkommt.

Capu d’Orto (1294m) 5.8.2005

alter Maultiertreiberpfad
alter Maultiertreiberpfad
Wieder beginnen wir unsere Tour um 7:00 Uhr am Zeltplatz und gehen wiederum nach Osten durch das noch verschlafene Piana. Die Wanderung zum Capu d’Orto gilt als eine der schönsten und abwechslungsreichsten Touren Korsikas.

Foce d'Orto
Foce d'Orto
Wieder beginnen wir unsere Tour um 7:00 Uhr am Zeltplatz und gehen wiederum nach Osten durch das noch verschlafene Piana. Die Wanderung zum Capu d’Orto gilt als eine der schönsten und abwechslungsreichsten Touren Korsikas.
Dieses Mal nehmen wir allerdings nicht die Straße Richtung Sportplatz sondern einen alten Maultierweg, der an der anderen Gite d’Etape beginnt. Dieser wildromantische Weg, der unter Hecken wie ein Laubengang durch einen kleinen Hohlweg führt, lässt an längst vergangene Zeiten erinnern. Am ende des Wegen gehen wir nach rechts auf einem breiten Forstweg weiter bis wir in den Wald gelangen und der Weg langsam Richtung Foce d’Orto anzusteigen beginnt. Auf der Scharte unterhalb des Orto erwartet uns ein super Blick: Die Sonne steht über dem Gebirge, wir schauen direkt ins Gegenlicht und erkennen nur Konturen, was an Bilder von Caspar David Friedrich erinnert.

Blick nach Piana
Blick nach Piana
Hier hört auch der normale Weg für uns auf, denn jetzt geht es als Kletterpartie über den Südkamm des Orto nach Oben. Die grobe Richtung des Weges, den man sich selber suchen muss, ist jetzt nur noch mit Steinmännchen markiert. Man muss die Hände zu Hilfe nehmen und teilweise richtig klettern, was aber kein Problem darstellt, da der Fels rau und sehr griffig ist. Hier entdecken wir eine Unzahl zu Stein gewordene Tiere und Phantasiewesen, welchen dem Weg einen ganz besonderen Anreiz gibt. Drachen, Kaninchen, fische, Schildkröten, Löwen, Tintenfische, Affen, Elefanten und andere Fabelwesen wirken wie in den Stein gemeißelt. Es ist beeindruckend zu sehen, zu welchen Formen die Natur fähig ist.

auf dem Gipfel 1294m
auf dem Gipfel 1294m
Nach langer Kletterei erreichen wir den Gipfel des Orto, der durch ein großes Steinmännchen markiert ist.
Der Blick reicht weit die Westküste entlang, auf den Golf von Porto direkt zu unseren Füßen und ins Zentrum der Insel, in die Berge. Ausgiebig wird hier gerastet, Mittag gegessen, fotografiert.

im Maul des Löwen
im Maul des Löwen
Als Abstiegsroute haben wir den Weg über die Bocca di Piazza gewählt. Auch hier finden wir zunächst wieder ein riesiges Plateau mit hunderten von Steinmännchen, so dass man vor lauter Steinmännchen den Weg kaum findet.
An einem besonders skurrilen Felsen, der aussieht wie der Kopf eines Löwen wird unser Spieltrieb aktiviert und wir fangen an zu klettern und uns an den Stein zu hängen. Außerdem dürfen wir eine riesige Eidechse dabei beobachten wie sie dreimal versucht von einem Felsen zum anderen zu springen und dabei dreimal abstürzt, dann unter herum läuft und auf den anderen Felsen klettert, um dann zurückzuspringen. Derart erheitert nahmen wir den Abstieg auf uns, der uns sehr lange vorkam. Außerdem machte uns die extreme Hitze mal wieder zu schaffen, denn es waren bestimmt wieder 36 Grad.
Ab dem Sportplatz, an dem wir wieder herauskamen, gingen wir auf dem Maultierpfad zurück nach Piana.

Capu Rossu (331m) 7.8.2005

Blick zum Capu Rossu
Blick zum Capu Rossu
Zwei Tage später versuchten wir zum Capu Rossu zu trampen, was uns auch gelang. Vom Parkplatz an der Straße aus, machten wir uns dann auf die Wanderung zum Genuesenturm auf der 30mm senkrecht abfallenden Felsklippe.
Der weg führte zunächst durch die Hitze der Machia und ging bergab, was uns eigentlich sehr wunderte, denn wir wollte ja bergauf steigen. Hoch über dem Meer, aus dem vereinzelt Felstürme emporstiegen ging es zur Südseite der Klippe.
In einer mehr oder weniger bewachsenen Rinne ging es steil bergauf zum Turm. Hier oben blies ein heftiger Wind und es waren schon massig Leute unterwegs.

Golfküste von Porto
Golfküste von Porto
Der Blick an der Küste entlang erinnert ein bisschen an die Atlantikküste oder die twelve Apostels in Australien, da eine Vielzahl von Felsen vor der Steilküste aus dem Tiefblauen Meer ragte.
Nachdem Abstieg suchten wir uns ein ruhiges Plätzchen am Fuße des Felsens, um unseren Spirituskocher anzuwerfen und unsere Abschiedstour von Korsika ruhig ausklingen zu lassen.
Allerdings mussten wir nach dem Essen noch den beschwerlichen Weg zurück zur Straße auf uns nehmen, der zwar nicht steil bergan führte, aber gnadenlos der heißen Mittagssonne ausgesetzt war. Aber auch das haben wir überlebt und wir fanden sogar wieder nette Leute sie uns nach Piana mitnahmen.

 
08.02.2012 21:40:01