Das Konzept
Morgen vor Rockall
Es war die Zeit ohne Computer und Internet. Mit zwanzig stieg ich auf Berge, immer höhere, und als ich fünfzig war, hatte ich mein Maximum erreicht: den Everest der kleinen Leute, den Aconcagua. Noch habe ich ein wenig an Höheren herumlaboriert, aber es wollte mir keiner mehr gelingen.
Berge also an den Nagel hängen? Nein! Das Hobby einfach neu definieren? Ja. Altersgerecht anpassen. Nur wild mußte es sein. Ohne das Wilde, Chaotische, im entscheidenden Moment aber Durchdachte und Zielgerichtete kann ich nicht sein. Also hieß das Hobby: Die jeweils Höchsten eines jeden europäischen Landes. Und weil mir das nicht genügte, halt auch noch Kurioses dazu, nicht näher Zuordenbares: Rockall zum Beispiel.
Rockall gehört niemandem, da mögen sich die Briten noch so gerieren. Also peilte ich unter vielen anderen auch den höchsten Punkt auf Rockall an. Was war Rockall eigentlich. Ein Lexikon gab dürre Auskunft. Unbewohnt. Felsen. Vogelnest. Doch wie hinkommen?
Die Planung
Üben zu Hause am Balkon
Man brachte mir bei, daß ich trainiert werden müßte. Ein Aktivist von Greenpeace kam und wies mich in das Klettern am senkrechten Seil mit Hilfe einer mechanisierten Prusiktechnik bei, mit „Ascender“, „Croll“ und „Stop“, drei Geräten erhältlich im Fachhandel. Dann ein Neoprenanzug. Schwimmen lernen im Neoprenanzug mit Flossen, Rettungsweste und in voller Klettermontur. Helm natürlich auch.
Der Gedanke war nämlich, daß wir uns in einem alten Fischkutter hinaus zu dem Felsen fahren lassen würden, dann umstiegen auf ein Schlauchboot, das uns ganz nah heranbringen würde. Einer würde dann springen und hoffentlich nicht ins Wasser fallen, hätte ein 20-Meter-Seil dabei, würde die einen Meter breite Plattform Hall's Ledge unter dem Gipfel besteigen und von dort das Seil an der Senkrechte herunterlassen. An dem arbeiteten sich dann alle anderen in der genannten Technik hoch.
Die Tat
Der Fels ist erobert!
Das Exquisite
Einmal im Leben ganz oben
Eine Legende will wissen, dass der Felsen die äußerste Position des alten, versunkenen Königreiches Brasil sei, während Wissenschaftler behaupten, er sei die Spitze eines Vulkanschlots, der zuletzt vor 50 Millionen Jahren ausgebrochen sei. Ich halte es mehr mit der Geschichte von Finn MacCool, die ihn als Riesen beschreibt.
Der Sieg - das Gefühl
Die Welt ganz für mich allein
Und wir waren so einer. Wir sind die Könige von Rockall! Wir waren oben! Ganz oben im Leben! Zwei Stunden verbrachten wir auf dem Gipfel in vollem Sonnenschein, und weil dort immer nur Platz für einen war, saßen die anderen auf Hall's Ledge, funkten hektisch in alle Welt und genossen die Einzigartigkeit des Augenblicks. Nie wieder würde einem von uns so was Elitäres gelingen! Wir saßen auf einem Felsen, den vor uns höchstens ein paar Dutzend Leute erobert haben. Wir hatten unseren persönlichen Everest in der Tasche!
Wer es nachmachen will, sei gewarnt: Kaum einem wird es je gelingen. Wir, die Könige von Rockall, haben nämlich die Volksrepublik Rockall ausgerufen und werden den Felsen gegen unprofessionelle Eindringlinge verteidigen! Und sollten die Engländer je kommen und uns vertreiben wollen: Wehe ihnen!
Viel Erfolg aber den Tüchtigen, die genau so Glück haben wie ich!
Links
http://www.therockalltimes.co.uk/rockall-ho/www.therockalltimes.co.uk/rockall-ho/2005-picture-gallery.html
www.therockalltimes.co.uk/rockall-ho/2005-team.html
www.therockalltimes.co.uk/2005/06/20/rockall-triumph.html
www.gipfel-und-grenzen.eu
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